Bedeutung und Wertung

Jahns Leben und Wirken verlief widersprüchlich. Unbestritten sind heute seine Verdienste für die Entwicklung des Turnwesens und sein Engagement im Rahmen der Befreiung von der Napoleonischen Fremdherrschaft. Die Überspitzung seiner national orientierten Gedanken führte in seinen Reden, Briefen und Schriften zu Fremdenhass und übersteigertem Nationalismus. Eingeschlossen in sein nationalistisches Gedankengut waren auch judenfeindliche Äußerungen.

Friedrich Ludwig Jahn ehren wir heute als den Schöpfer der nationalen Turnbewegung, die zur Gründung unübersehbar vieler Turnvereine, des Deutschen Turner-Bundes und letztlich zur Herausbildung des Gerätturnens als Weltsportart führte. Der Vorwurf, dass seine Motivation allein auf der Grundlage seines deutschnationalen und militärischen Anliegens beruhte, ist in gewisser Weise zwar zutreffend, aber auch insofern zu relativieren, als das Jahnsche Gedankengut und sein Wirken im Zusammenhang mit den historischen Gegebenheiten beurteilt werden müssen. Sein politisch widersprüchliches Verhalten im Laufe seines Lebens bot Spielraum dafür, dass die späteren unterschiedlichen politischen Systeme in Deutschland sein Gedankengut in unterschiedlicher Weise bewerteten.

Erst mit der deutschen Wiedervereinigung und der Gründung des Jahn-Fördervereins haben Sporthistoriker und Turnfachleute in vielen Diskussionen und Kolloquien versucht, Friedrich Ludwig Jahn einen gerechten und abgewogenen Platz in der Deutschen Geschichte einzuräumen. Das spiegelt sich auch und in besonderem Maße in der neu konzipierten Museumsausstellung und in den Materialien des Fördervereins (Jahn-Report, Publikationen) wider.

Friedrich Ludwig Jahn war nach unserer Auffassung trotz seiner kritisch zu benennenden Schwächen und Widersprüchlichkeiten ein bedeutender Deutscher, der die Entwicklung von Turnen und Sport und darüber hinaus unsere deutsche Nationalkultur nachhaltig prägte.

Siehe auch: Pfannhauser, Werner: www.pfannhauser.at/friedrich-ludwig-jahn