Ständige Ausstellung „Friedrich Ludwig Jahn: Leben und Wirken"

In dieser Ausstellung wird Jahn als Mensch in seiner Zeit und der in ihr vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse gezeigt, auch mit seinen charakterlichen Eigenheiten und seinen zeitgebundenen Anschauungen und Äußerungen. Diese Betrachtung des "ganzen Jahn" mit all seinen Vorzügen, Leistungen und Zielen, aber auch mit all seinen menschlichen Schwächen, Misserfolgen, Enttäuschungen und Konflikten zieht sich durch alle Ausstellungskomplexe:

- Schöpfer des deutschen Turnens
- Persönlichen Leben und Familie
- Publizist und Patriot
- Reformer – Revolutionär? Deutschtümler – Deutscher?

Friedrich Ludwig Jahn: Schöpfer des deutschen Turnens

Der erste Komplex ist Jahns Lebenswerk gewidmet: der Entwicklung einer modernen bürgerlichen Körpererziehung und ihrer Gestaltung als öffentliche Angelegenheit. Für die Traditionspflege des Vereins ist diese Leistung Jahns der wichtigste Anknüpfungspunkt.

Besondere Bedeutung in der Darstellung des Turnens beansprucht Jahns Buch „Die deutsche Turnkunst", das er 1816 gemeinsam mit Eiselen veröffentlichte. Neben Ernst Bernhard Wilhelm Eiselen (1792-1846) war Karl Friedrich Friesen (1784-1814) der bedeutendste Mitstreiter Jahns bei der Entwicklung des Turnens.

Friedrich Ludwig Jahn: Persönliches Leben und Familie

Der zweite Komplex stellt Jahns privaten Lebensweg von seiner Kindheit bis zu seinem Tode dar. Es werden überwiegend Gegenstände aus dem persönlichen Besitz Jahns und seiner Familie gezeigt, u. a. ein Viererschachspiel, ein Notizbuch, Spazierstock sowie Tabakspfeife und -beutel gezeigt. Auch die lange Verlobungszeit und anderes werden. illustriert. Die sechs Jahre Kerker- und Festungshaft werden durch unterschiedliche Dokumente bezeugt. Besonders wertvoll ist das Ölgemälde des Malers Heine.

- 1823 stirbt Jahns erste Ehefrau

- nach dem Freispruch im Jahre 1825 lässt er sich mit seiner zweiten Ehefrau in Freyburg an der Unstrut nieder

Friedrich Ludwig Jahn: Publizist und Patriot

Gezeigt werden u. a. seine zwei Hauptwerke: „Deutsches Volksthum“ (1810) und „Die Deutsche Turnkunst“ (Jahn/Eiselen 1816), letzteres in einer selten gewordenen erweiterten Ausgabe von 1847. Mit dem „Volksthum“ nimmt Jahn einen würdigen Platz unter jenen fortschrittlichen deutschen Reformern zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, deren Werke als Nationalerziehungspläne bezeichnet werden.

Die hier ausgestellten handschriftlichen Texte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Fundus des Museums.

Das Manuskript zum Dreißigjährigen Krieg wie auch der Brief seiner Frau verdeutlichen mit ihren Brandschäden die tragischen Verluste auch an Büchern, Briefen und anderen Manuskripten, die Jahn bei dem Brand seiner Wohnung 1838 erlitten hatte.

Friedrich Ludwig Jahn: Reformer - Revolutionär? Deutschtümler - Deutscher?

Der vierte Komplex stellt Höhepunkte des politischen Wirkens Friedrich Ludwig Jahns dar. Ein Jahn-Zitat und die Karte Mitteleuropas Ende des 18. Jahrhunderts machen die in seiner Kindheit und Jugend gewonnenen Erfahrungen als Ausgangspunkt für sein lebenslanges Streben nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat deutlich.

Mit seinem Nationalerziehungsplan, dem Buch „Deutsches Volksthum“, seiner Initiative zur Gründung des geheimen Deutschen Bundes, der Einrichtung des öffentlichen Turnplatzes auf der Hasenheide und der von hier ausgehenden Verbreitung des Turnwesens in Preußen und anderen deutschen Staaten sowie mit seinen Aktivitäten zur Gründung der Deutschen Burschenschaft übernahm Jahn vielfältige Aufgaben, die auf die Verwirklichung des Gedankens der Einheit Deutschlands gerichtet waren.

Das von den Burschenschaftern, die meist auch Turner waren, im Herbst 1817 veranstaltete Wartburgfest weckte das Misstrauen der Fürsten endgültig. Die Ermordung des russischen Staatsrats von Kotzebue durch den Burschenturner Sand war letzter Anlass für die „Demagogenverfolgungen“, die Verhaftung F. L. Jahns und die „Turnsperre“.

Das letzte Thema in diesem Komplex ist Jahns Wirken als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 gewidmet.


Fotos: Dr.-Ing. M. Becker (Naumburg)