Die obere Etage des Museums steht für jeden (auch Privatpersonen), der eine Ausstellung gestalten möchte, zur Verfügung. Nähere Angaben zur Raumgröße, vorhandenen Vitrinen usw. erhalten Sie im Museum. In diesem Raum wurden bisher zu den folgenden Themen Sonderausstellungen gestaltet.

2016: TurnKunst

Die deutsche Turnkunst Sonderaustellung vom 19.08.2016 bis 31.03 2017

 

2016 jährt sich zum 200. Mal das Erscheinen der „Deutschen Turnkunst“ von Friedrich Ludwig Jahn und Ernst Eiselen. Aus diesem Anlass ist die Idee erwachsen Jahns Buch über die Turnkunst vom 19. in das 21. Jahrhundert zu holen. Neben der Beschäftigung mit der Bedeutung des Begriffes Turnkunst bei Jahn soll in der Ausstellung der Focus vor allem auf der künstlerischen Beschäftigung mit dem Turnen liegen.

 

Vor 200 Jahren veröffentlicht Friedrich Ludwig Jahn "Die Deutsche Turnkunst" im Eigenverlag. Dieses Buch über das Turnen und die Ausstattung von Turnplätzen, gibt ein getreues Spiegelbild des Turnbetriebes auf der Berliner Hasenheide wieder, dem fünf Jahre zuvor eröffneten ersten Turnplatz Deutschlands. Mit großer Begeisterung beschreibt Jahn in einem "Vorbericht" 1816 die Entstehung seines Werkes. Es ist das Ergebnis einer langen Gemeinschaftsarbeit mit seinem Mitstreiter, dem Turn- und Fechtlehrer, Ernst Eiselen. Vielen Turnfreunden und anderen Persönlichkeiten lässt er Exemplare zusenden, dazu gehören

                                                                                 unter anderem auch Wilhelm Grimm und der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe.

 

                            

 

2015: Ferdinand Goetz und Freyburg

Ferdinand Goetz und Freyburg Sonderausstellung vom 22.08. bis 01.11.2015

 

Der Leipziger Arzt Dr. Ferdinand Goetz, der von den Leipzigern liebevoll genannte "Töpfchendoktor von Lindenau" war weitaus mehr als nur Arzt. Ab 1860 bis zu seinem Tode war er der Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft, 1895 auch deren Vorstandsvorsitzender. Nach Jahn gilt er als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Turnbewegung in Deutschland. Er legte in Leipzig-Lindental das Archiv (später die Bibliothek) der Deutschen Turnerschaft an und war zusammen mit dem Unternehmer Karl Heine Gründer und Initiator zahlreicher Bürger- und sozialer Vereine. Auch in Freyburg ist sein Schaffen bis heute nicht zu übersehen. Auf Goetz Initiative entstanden hier die bis heute stadtbildprägende Erinnerungsturnhalle und die Ehrenhalle. Dafür Verlieh ihm die Stadt das Ehrenbürgerrecht. Anlässlich des 100. Todestages, welcher am 13.Oktober diesen Jahres auch in Leipzig feierlich begangen wird, widmet das Jahn-Museum dem "zweiten großen Kopf" der Turnbewegung eine Sonderausstellung.

 

    

2014: Erlebt, Erworben, Gesammelt

Vom 23. August bis 30. Oktober 2014 Sonderausstellung 150 Jahre Erinnerungskultur zu deutschen Turnfesten

 

Das Turnen war von Anfang an eine soziale Bewegung, in der das gemeinsame Tun eine zentrale Rolle spielte. In dem Maße, wie es sich ausbreitete, wie besonders nach 1860 Vereine aus dem Boden schossen und mit der Deutschen Turnerschaft (DT) eine übergreifende Struktur entstand, bildete sich auch eine turnerische Kultur heraus. Sie zeigte sich örtlich im Leben der Vereine und in größerem Rahmen bei den Festen, insbesondere bei den großen Deutschen Turnfesten mit Zehn- bis Hunderttausenden von Teilnehmern.

 

Zu dieser Kultur gehörten und gehören Fahnen, Urkunden, Siegerzeichen, Liederbücher, Zeitschriften, eine einheitliche Turnkleidung, aber auch Erinnerungsstücke aller Art. Zwei wichtige Gruppen von Erinnerungsstücken sind dabei Postkarten und Krüge bzw. Gläser. Sie bilden den Kern dieser Ausstellung und werden durch eine Reihe anderer Gegenstände ergänzt. Das meiste steht in Zusammenhang mit Turnfesten,die eine natürliche

                                                                                Gelegenheit zur Herstellung und zum Vertrieb solcher Gegenstände boten.

 

Die meisten dieser Objekte entstanden um die Jahrhundertwende, als Karten und Krüge ganz allgemein ihre Blütezeit hatten. Diese Gegenstände waren zunächst mit persönlichen Erlebnissen verknüpft und wurden privat und auch auf Vereinsebene zur Erinnerung aufbewahrt. Manche, wie Gürtel oder Krüge, wurden auch in ihrem eigentlichen Sinn benutzt. Später trat der persönliche, erinnernde Aspekt zurück und sie wurden Gegenstände des Sammelns in Museen und privaten Sammlungen. Auf diese Weise haben sich etliche dieser Objekte bis heute erhalten. Mit der Zeit etablierte sich ein Sammlermarkt für derartige Stücke.

 

                   

 

2014: Projekt Erdung

Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht auf die Bedarfe und Probleme von Autisten aufmerksam zu machen. Dafür haben die Macher des Leipziger Projekts Prominente und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an den Orten ihrer „inneren Ruhe“ fotografiert. „Die Portraits behandeln das Thema Ruhe und Rückzug, das nicht nur für Menschen mit Autismus eine Bedeutung hat“, sagt Mitinitiatorin Diana Dademasch.

 

Mit Ausstellungen und einem Bildband will das Projekt für diese Thematik sensibilisieren. Die Erlöse der Freyburger Ausstellung sollen der Autismusambulanz Halle zu gute kommen. Die Idee für das Projekt kam über die Freundschaft mit der autistischen Künstlerin Gee Vero, die bereits mit Ihrem Projekt „Inklusion“ von sich reden gemacht hat. Teile Ihrer Arbeit sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Da mit den Erlösen auch Sportangebote für Menschen mit Autismus ermöglicht werden, hat sich die Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft dazu bereit erklärt der Fotoausstellung, im Studio des Jahnmuseums, Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen.

 

   

2010/11: Prächtige Erinnerungen - Turngeschichte in Grafiken

Aussteller: Ingo Peschel, Ilona Kohlberg, Gerd Steins

 

Hier gelangen Sie zum Artikel der Sonderausstellung im Jahn-Report Nr. 31.

2009: 10 Jahre vorweihnachtliche Verkaufsausstellungen im Jahn-Museum

Aussteller: Mitarbeiterinnen des Museums

2009: Turnzeichen - Vom Stabreim zum Markenkonzept. Geschichte der Symbolik des Turnens

Aussteller: Gerd Steins (Berlin)

2008: Weihnachtsgeschenke im Wandel der Zeiten

Aussteller: Mitarbeiterinnen des Museums

2008: Turnvater Jahn – Münzen, Medaillen, Abzeichen und Plaketten

Aussteller: Dr. Walter Müller (Halle)

Sonderausstellung aus Anlass des 86. Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfestes 2008


Turnvater Jahn – Münzen, Medaillen, Abzeichen und Plaketten

Der „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) gehört neben dem Reformator Martin Luther (1483-1546), dessen engstem Mitstreiter, dem Humanisten und reformatorischen Theologen Philipp Melanchthon (1497-1560), dem ehemaligen deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) sowie den beiden grossen klassischen deutschen Dichtern und Philosophen Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich Schiller (1759-1805) sicherlich zu den auf Münzen, Medaillen, Plaketten sowie Abzeichen am häufigsten dargestellten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Man geht davon aus, dass mit dem Konterfei von Martin Luther ca. 2000, von Philipp Melanchthon knapp 200, von Otto von Bismarck ca. 800 und von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller jeweils auch knapp 800 Medaillen existieren.

Etwa in der letztgenannten Größenordnung scheinen nach einer ersten groben Schätzung Medaillen gleichfalls zu Friedrich Ludwig Jahn hergestellt worden zu sein. Im Gegensatz zu den anderen Genannten gibt es jedoch für den Turnvater Jahn noch kein Verzeichnis bzw. keinen ernstlichen Versuch zur Zusammenstellung der sein Bildnis tragenden Münzen, Medaillen, Plaketten sowie Abzeichen. Einfach ist die Sache lediglich bei den auch als gültiges Zahlungsmittel dienenden Münzen. Da existiert nur ein einziges Exemplar – und zwar die 1977 von H. Rodewald entworfene und von W. Fitzenreiter gestaltete in einer Auflage von lediglich 100 675 Stück (davon 10 000 in polierter Platte) anläßlich des 125. Todestages am 15. Oktober und des bevorstehenden 200. Geburtstages von Jahn am 11. August 1978 geprägte 5 Mark-Sondermünze der DDR-Notenbank in Neusilber. Auch gibt es keine öffentliche numismatische Sammlung, die deutlich mehr als 300 geschweige denn einen annähernd vollständigen Bestand der geschätzten mindestens 700 bis 800 Jahnmedaillen aufweisen kann.

Dies hat sicherlich mehrere Ursachen. Zum einen hat sich die 1868 als Dachorganisation der Turnvereine gegründete Deutsche Turnerschaft zwar schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bemüht, ein eigenes Museum mit wertvollen Zeugnissen verschiedenster Art aus der deutschen Sport-, speziell der Turngeschichte, zu schaffen. Dies konnte jedoch nie in der ursprünglich angestrebten Art erreicht werden. So stellte das 1894 in Freyburg an der Unstrut eingerichtete und zunächst in die am 10. Juni dieses Jahres übergebene „Erinnerungsturnhalle der Deutschen Turnerschaft“ integrierte und später mehrfach umgezogene und erweiterte Jahnmuseum nur einen derartigen Versuch dar; es blieb auf Grund der von Anfang an völlig unzureichenden finanziellen Ausstattung weitestgehend auf Spenden angewiesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden außerdem die umfangreichen Museumsbestände stark dezimiert und verstreut. Das heutige Jahnmuseum besitzt daher lediglich noch 34 Medaillen mit dem Bildnis des Turnvaters.

Zum anderen erschien ein Großteil der das Bildnis des Turnvaters Jahn tragenden Medaillen, Plaketten und Abzeichen im Zusammenhang mit anstehenden Turn- und Sportfesten, Fahnen- und Turnhallenweihen sowie sonstigen Turnerjubilaen als Erinnerungs- bzw. Siegermedaillen, als Erinnerungs- bzw. Siegerplaketten, Fest- oder Teilnehmerabzeichen. Dies erforderte meist recht hohe Auflagen bei möglichst geringen Herstellungspreisen. Neben einer oft fehlenden hochwertigen künstlerischen Gestaltung führte dies auch zum Einsatz von vor allem preisgünstigen Materialien. All dies trug wohl auch mit dazu bei, dass Medaillen, Plaketten bzw. Abzeichen mit dem Bildnis des Turnvaters zwar für die Teilnehmer an den entsprechenden Veranstaltungen einen recht hohen Erinnerungswert besaßen, aber eben nicht gerade häufig das Interesse von Jahnverehrern bzw. Numismatikern erweckten und damit nicht in größerer Anzahl von Privatsammlern gesammelt wurden und in öffentliche Sammlungen gelangten.


Seltene und künstlerisch hochwertige Jahnmedaillen

Bei den bisher bekannten Jahnmedaillen, Jahnplaketten und Abzeichen bilden künstlerisch sehr hochwertig hergestellte Stücke eher die Minderheit. Dazu gehört aber zweifelsfrei die zwischen 1928 und 1932 nachweislich lediglich in 23 Exemplaren durch den bekannten sächsischen Medailleur Friedrich Wilhelm Hörnlein (1873-1945) als Auszeichnung „Für Treue im Dienste des Turnens“ für den 1844 gegründeten Allgemeinen Turnverein zu Dresden geprägte Bronzeplakette mit dem Bildnis Jahns. Auch die anlässlich des 150. Geburtstages von Jahn 1928 durch den gleichen Künstler sowie die durch den Münchener Bildhauer und Medailleur Karl Goetz (1875-1950) und das Bayerische Hauptmünzamt hergestellten drei Silbermedaillen mit Jahns Porträt gehören zu den künstlerisch wertvolleren Stücken. Weitaus häufiger begegnen dagegen relativ leicht erkennbare Kopien älterer Vorlagen sowie künstlerisch recht einfach gestaltete Medaillen.

Andererseits besitzen die geprägten oder gegossenen Medaillen, Plaketten und Abzeichen neben ihrer Funktion als Kunstwerk en miniature eine nicht zu unterschätzende Bedeutung als Erinnerungsstück. Mit anderen Worten: Vergleichbar einem Denkmal dient die Medaille und auch die im Sportbereich als Abzeichen und Siegespreis gebräuchliche Plakette (eckige Medaille mit Kleinrelief – in der Regel ohne Gestaltung der Rückseite) als Medium der Erinnerung. Eine Besonderheit der Medaillen und Plaketten besteht darin, dass sie auf Grund ihrer Herstellung in größeren Stückzahlen eine ungleich weitere Verbreitung erreichen. Die Medaille und die Plakette lassen sich aber nicht allein als Erinnerungsstück fassen. Es handelt sich bei ihnen immer gleichzeitig um eine mehr oder wenig gelungene künstlerische Äußerung. Zwischen Erinnerung und Kunst besteht im günstigsten Fall sogar eine enge Verknüpfung, die sich unter anderem darin äußert, dass die Erinnerungsfunktion einen ungleich höheren Wert erhält, wenn die Erscheinungsform eine äquivalente künstlerische Umsetzung erfahren hat.

Nachdem von Thomas Schnitzler im Jahre 2002 ein 329 Positionen umfassendes Verzeichnis der Jahndenkmäler Deutschlands, Europas und Nordamerikas erschienen ist, bildet ein Verzeichnis der bisher bekannten Münzen, Medaillen, Plaketten, Medaillons und Abzeichen immer noch ein Desiderat der Jahnforschung. Da dazu aber nahezu jegliche wissenschaftlichen Vorarbeiten fehlen, dürfte dies nur über einen längeren Zeitraum und nur durch die Mithilfe möglichst vieler Jahnforscher lösbar sein. Damit bietet sich zugleich die Möglichkeit, die neuerdings in der Jahnforschung verstärkt sichtbar werdenden Tendenzen der Verlagerung der Forschungsschwerpunkte auf die Jahnrezeption und Jahns Stellung in der Erinnerungskultur auch auf dieses bisher nahezu völlig vernachlässigte Feld auszudehnen. So erlaubt eben auch das am 14. Oktober 1928 anläßlich der Aufstellung der Büste des Turnvaters Jahn in die vom Bayernkönig Ludwig I. errichtete Walhalla bei Regensburg von der Firma C. Poellath in Schrobenhausen hergestellte schwere Messingabzeichen mit dem Konterfei von Jahn über der Walhalla in der Verbindung mit den aus gleichem Anlass erschienenen weiteren Erinnerungsstücken (z. B. Postkarten) Aussagen über die Jahnrezeption in der Weimarer Republik. Das zur jeweiligen Zeit vorherrschende Jahn-Bild spiegelt sich so auch unmittelbar in den entsprechenden Medaillen- und Plakettengestaltungen wider. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass gerade im Bereich der zwangsläufig kleinformatigen Medaillengestaltung besonders deutlich die Verdichtung zum Symbol und zum Mythos erfolgen muss. So blieb Jahn im kollektiven Gedächtnis nicht zuletzt gerade dadurch verankert, dass er in seiner Persönlichkeit und seinen politischen Vorstellungen immer umstritten und umkämpft war. Schon der Entscheidung zur Herstellung einer Jahnmedaille anläßlich eines Sportereignisses und derdabei gewählten künstlerischen Gestaltungsform einschließlich der Wortwahl auf der Medaille dürfte so ein gewisser Aussagewert beizumessen sein.

In mehreren Jahren konnten in der hier ausgestellten Privatsammlung bisher immerhin knapp 500 verschiedene Münzen, Medaillen, Plaketten und Abzeichen mit dem Bildnis des Turnvaters Jahn zusammengetragen werden. Diese verteilen sich zeitlich folgendermaßen:
1. von 1863 bis 1899 – 130 Stück
2. von 1900 bis 1945 – 110 Stück
3. nach 1945 – 100 Stück sowie
4. ohne Jahresangabe – ca. 150 Stück.

Damit lassen sich hinsichtlich der Jahnrezeption und des Bildes des Turnvaters in der deutschen Erinnerungskultur auf Medaillen, Plaketten und Abzeichen seit etwa 1860 bis in die Gegenwart zumindest erste belegbare Aussagen treffen, Tendenzen ableiten sowie Hypothesen aufstellen.

Vom Material her begegnen dabei eigentlich alle für die Medaillen- und Plakettenherstellung verwendeten Materialien wie Silber, Bronze, Kupfer, Zinn, Aluminium, Eisen, Stahl, Tombak, weitere Metalllegierungen, Porzellan sowie relativ selten Preßpappe (zum Beispiel bei einem 1952 in der DDR anläßlich einer Gedenkwoche zu Ehren des 100. Todestages von Jahn geprägten Abzeichen. Einen Sonderfall bildet gleichfalls ein durch den Berliner Künstler Emanuel Renner angefertigtes immerhin 42,5 x 26,0 cm großes geschnitztes Holzrelief (mit Rahmen 55,0 x 38,5) mit dem Porträt Jahns, welches am 19. März 1933 in Berlin beim 25. Städtewettkampf Berlin–Hamburg–Leipzig „Dem Besten der langjährigen Städtekämpfer im Kunstturnen“ verliehen wurde. Lediglich in Gold befindet sich bisher keine Medaille in der Sammlung, wobei dieses Edelmetall in Einzelfällen sicherlich auch für besonders wertvolle Auszeichnungen oder auf Sammlerwunsch verwendet worden sein dürfte. Nachweisbar ist so zum Beispiel, das von der 1928 durch Friedrich Wilhelm Hörnlein entworfenen Jahnmedaille laut Werkskatalog zumindest ein in Gold hergestelltes Exemplar durch die sächsische Staatsmünze Muldenhütten neben 1026 in Silber und 568 in Bronze geprägt worden ist.

Genau so groß wie die Vielfalt beim verwendeten Material ist die Spannweite auch bei den vorkommenden Größen der Medaillen, Plaketten und Abzeichen. Die kleinste Jahnmedaille misst lediglich knapp 19 mm und die größte immerhin 52,5 cm. Dieses schon eher als Bronzerelief (hergestellt als Bronzespritzguß) zu bezeichnende und 1978 laut Monogramm von einem Künstler mit den Initialen „S. B.“ angefertigte Prachtexemplar mit dem Bildnis des noch jungen Friedrich Ludwig Jahn dürfte wohl zu DDR-Zeiten in einer öffentlichen Einrichtung gehangen haben. Eindeutig überwiegen jedoch die besonders für die Medaillengestaltung bevorzugten Maße zwischen etwa 25 und ca. 50 bis 60 mm.

Mit dieser Ausstellung sollen gewissermaßen als erster Schritt auf diesem sicherlich noch langen Weg bis zu einem gedruckten und möglichst vollständigen Verzeichnis der Jahnmedaillen, -plaketten und -abzeichen zunächst die sich derzeitig in der Privatsammlung befindenden Medaillen, Abzeichen und Plaketten mit dem Bildnis des Turnvaters näher vorgestellt werden. Daher ist der Sammler auch für jegliche weiterführende Hinweise auf ihm bisher unbekannt gebliebene Exemplare – möglichst mit (digitalem) Foto der Vorder- und Rückseite – sehr dankbar (Tel.: 0345 / 5200292 bzw. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).


Frühe Jahnmedaillen

Den ersten Höhepunkt des Erscheinens von Jahnmedaillen bildet das in Leipzig vom 2. bis 5. August 1863 stattfindende 3. Deutsche Turnfest mit immerhin reichlich 20 000 Teilnehmern. Bereits im Vorfeld des 3. Deutschen Turnfestes wurde im Jahrgang 1863 der Zeitschrift „ Deutsche Turnzeitung“ sowie den von Georg Hirth und Eduard Strauch herausgegebenen dreizehn Extranummern der „Blätter für das dritte allgemeine Deutsche Turnfest zu Leipzig, 2. bis 5. August 1863“ wiederholt darauf hingewiesen, dass neben den sonstigen zahlreichen Erinnerungsstücken sich auch mehrere Erinnerungsmedaillen befinden werden. Unmittelbar nach Beendigung des Turnfestes wurde nochmals recht umfangreich auf weitere inzwischen erschienene Festmedaillen aufmerksam gemacht: „Unter der großen Zahl von Festgedenkmünzen, die vom 2.-5. August an allen Orten der Stadt, auf dem Festplatze, in den Wirthshäusern, auf Straßen und Wegen und Stegen ausgeboten wurden und noch ausgeboten werden, möchten wir die Aufmerksamkeit unserer Leser noch besonders auf eine lenken, die von Herrn Oscar Heinrich Kratze in Leipzig auf den Markt gebracht worden ist. Sie ist die sinnreichste und ein hübsches Andenken an die unvergeßlichen Festtage, die wir so eben durchlebten. Ein voller Eichenkranz hält das Turnerzeichen umschlungen in durchbrochener Arbeit. Im Kreuz der vier F befindet sich eine stereoscopische Photographie, in der Größe eines Stecknadelkopfes, darstellend 1) die Festhalle in buntem Glase, oder 2) 500 Portraits der hervorragendsten Persönlichkeiten, oder 3) die Führer der Fortschrittspartei des preußischen Abgeordnetenhauses, oder 4) die Büste Jahn`s mit Schrift, oder 5) die Germania nach Clasen, oder 6) 52 Portraits von Leipziger Vorturnern. Ueber dem Eichenkranze befindet sich auf der einen Seite die Umschrift: „Zum Andenken an das dritte deutsche Turnfest zu Leipzig 1.-5. August 1863“, während die andere Umschrift die Worte: „ Gott schütze unser Vaterland“ enthält.“

Von der Zinnmedaille in sechs verschiedenen Varianten von Oscar Heinrich Kratze – laut Leipziger Adressbuch Inhaber einer „Deutsche, engl. u. franz. Stahl-u. Kurzwaren en gros“ anbietenden Firma am Markt 16 – befindet sich in der Sammlung derzeitig leider nur die wohl am häufigsten verkaufte Variante 1 mit der Abbildung der Festhalle auf der winzigen stereoscopischen Fotografie und nicht die Variante 4 mit der Büste Jahns mit Schrift. Insgesamt befinden sich derzeitig in der Sammlung zwölf verschiedene anlässlich des 3. Deutschen Turnfestes in Leipzig hergestellte Medaillen, davon acht mit dem Bildnis von Jahn.

Dabei handelt es sich:

1. um eine versilberte Zinnmedaille ohne Tragevorrichtung und ohne jeglichen Herstellernachweis von Herrmann Wilke aus Berlin mit den Bildnis Jahns im altdeutschem Rock von vorn auf der Vorderseite sowie der Umschrift: „*FRIEDRICH LUDWIG JAHN* FRISCH. FROMM. FRÖHLICH. FREI.“. Auf der Rückseite ist die Festhalle abgebildet, und darunter befindet sich die Inschrift: „FESTHALLE ZUM DRITTEN DEITSCHEN TURNFEST ZU LEIPZIG 2. 3. 4. 5. AUGUST 1863“. Laut zeitgenössischen Presseberichten wurde diese Medaille schon im Vorfeld in Leipzig von der englischen und französischen Kurzwarenhandlung John Berend Oppenheimer, Markt 2, verkauft, konnte aber auch nach Abschluss des Turnfestes noch „im Wege des Buchhandels durch H. Rahn in Berlin und aus jeder beliebigen Buchhandlung“ bezogen werden.

2. die anonyme, hinsichtlich Text und Bild völlig mit Nr. 1 identische Zinnmedaille ohne Tragevorrichtung, jedoch im Durchmesser kleiner (nur 31,5 mm).

3. eine kleine (Durchmesser nur 22,0 mm) Messingmedaille ohne jeglichen Herstellernachweis mit Aufhängevorrichtung und dem leicht nach rechts blickenden Halbporträt Jahns auf der Vorderseite; darüber die Umschrift: „FRIEDRICH LUDWIG JAHN.“. Auf der Rückseite steht in sechs Zeilen: „DRITTES / ALLGEMEINES / DEUTSCHES / TURNFEST / LEIPZIG / AUGT. 1863“. Von dieser Messingmedaille existiert auch noch eine andere Variante mit der gleichen Rückseite, jedoch der Darstellung der Festhalle auf der Vorderseite und ohne Tragevorrichtung.

4. eine vom Durchmesser und Material mit Nr. 3 identische, gleichfalls anonyme Medaille ohne Aufhängevorrichtung und der gleichen Darstellung Jahns einschließlich der Umschrift wie in Nr. 3 auf der Vorderseite. Dagegen ist auf der Rückseite die bei der in Nr. 3 erwähnten Variante von der Vorderseite abgebildete Festhalle dargestellt.

5. eine Zinnmedaille mit angegossenem Henkel im Durchmesser von 31,9 mm, signiert auf der Vorderseite von dem ansonsten nicht weiter nachweisbaren D. E. Schler. Das Jahnporträt im Halbprofil auf der Vorderseite blickt ganz leicht nach links und ist umgeben von der Inschrift: „FRIEDR. LUD. JAHN.“. Auf der Rückseite befindet sich – eingefasst von zwei Eichenzweigen – die achtzeilige Inschrift: „ZUR / ERINNERUNG / AN DAS / 3te DEUTSCHE / TURNFEST / IN / LEIPZIG / 1863.“

6. sowie die künstlerisch nach einem Entwurf von F. Fischer in der durch den nach dem bekannten Berliner Medailleur Daniel Friedrich Loos (1725-1821) begründetenberühmten Werkstatt wohl durch seinen Enkel Friedrich Wilhelm Loos (1811-1893) angefertigte sehr ansprechende Messingmedaille und original angelöteter Aufhängung auf der Vorderseite mit dem Kopf des Turnvaters im Profil nach links mit auffallend großem Hemdkragen und der Umschrift: „FRIEDR: LUDW: JAHN DEUTSCHER TURNVATER“. Unterhalb des Halbprofils befindet sich die Inschrift: LOOS D. F. FISCHER F.“. Auf der Rückseite ist ein vierfach durch die Spruchbänder „FRISCH, FREI, FROH und FROMM“ zusammengehaltenes Lanzenbündel, umgeben von einem offenen Eichenkranz, dargestellt. Zusätzlich ist noch die zweizeilige Inschrift: „LEIPZIG / 1863“ angebracht. Bereits in der zeitgenössischen Presse wird diese Medaille als „ein gehenkeltes, nicht ohne Geschmack entworfenes, hübsches Erinnerungsstück“ bezeichnet.

Nicht unerwähnt soll noch eine weitere – jedoch ohne Jahnbildnis – recht ansprechende anonyme Zinnmedaille ohne Aufhängevorrichtung bleiben. Diese zeigt auf der Vorderseite das eiserne Kreuz mit einem darauf sitzenden Adler sowie im Hintergrund ein Schwert und eine Siegesfackel, umgeben von einem offenen Eichenkranz. Darunter befindet sich auf einem bogenförmigen Spruchband die Inschrift: „FRISCH FROMM FRÖHLICH FREI“. Auf der Rückseite ist – wiederum eingefasst durch einen offenen Eichenkranz – die neunzeilige Inschrift: „ZUR / ERINNERUNG / AN DAS / DRITTE DEUTSCHE / TURNFEST / IN / LEIPZIG / D: 2-5 AUGUST / 1863“. Durch die Darstellung des eisernen Kreuzes wurde sehr ansprechend die Verbindung zum im Herbst desgleichen Jahres aufwendig begangenen 50. Jubiläum der Leipziger Völkerschlacht, an dem auch viele Turner teilnahmen, hergestellt: Dieses Jubiläum bildete letztlich den ausschlaggebenden Grund für die Entscheidung, das dritte Deutsche Sportfest in Leipzig und nicht – wie ursprünglich geplant – in Nürnberg durchzuführen.

Insgesamt dürften anlässlich des dritten Deutschen Turnfestes in Leipzig mindestens zwanzig verschiedene Medaillen erschienen sein – wahrlich ein imposantes Zeugnis für die damalige Erinnerungs- und Festkultur und heute kaum noch vorstellbar.

Das Jahr des 100. Geburtstages von Friedrich Ludwig Jahn im Jahre 1878 führte gleichfalls zu einer Vielzahl von Medaillenprägungen, da bekanntlich gerade anlässlich derartiger runder Jubiläen bei historischen Persönlichkeiten mit umfangreichen Ehrungen, die häufig auch zur Herausgabe von Erinnerungsmedaillen führten, zu rechnen ist. Im Falle des Turnvaters trifft dies eindeutig auch auf die Jahre 1928 (150. Geburtstag) und 1978 (200. Geburtstag) zu. Erstaunlicherweise scheinen dagegen in Jahns 100. Todesjahr 1952 sowie dem 150. im Jahre 2002 relativ wenig Medaillen mit dem Bildnis des Turnvaters geprägt worden zu sein.

2007: Weihnachten in anderen Ländern

Aussteller: Mitarbeiterinnen des Museums