Pressedienst

Der Jahn-Pressedienst ist ein Service der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e.V. mit Sitz in Freyburg (Unstrut). Er stellt den Verbandsorganen der Landesturnverbände im Deutschen Turner-Bund und allen anderen interessierten Zeitungen und Zeitschriften Artikel zu Themen des Turnens und der Turngeschichte (unter besonderer Berücksichtigung von Beiträgen über Friedrich Ludwig Jahn) zum Nachdruck zur Verfügung. Der Nachdruck ist kostenfrei und genehmigungsfrei. Unter dem Artikel ist der Vermerk [Jahn-Pressedienst] aufzunehmen. Um ein Belegexemplar wird gebeten. Die vom Jahn-Pressedienst veröffentlichten Artikel werden unter Pressedienst auf der Homepage der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft zum Herunterladen archiviert und können auch zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden.

 

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Veranstaltung anlässlich "200 Jahre Turnen in Württemberg"

 

Hirsau, im Herbst 1816: In dem kleinen, kaum 350 Seelen zählenden schwäbischen Ort, geschieht etwas Außergewöhnliches: Fünf junge Männer finden zusammen, um zu turnen. Zum Vorbild dient ihnen das gerade im Frühjahr in Lübeck erschienene Werk des Gründers der deutschen Turnbewegung, Friedrich Ludwig Jahn, „Die deutsche Turnkunst“. Es ist ihnen „Ernst um das liebe deutsche Vaterland“, wie sie ihrem Turntagebuch anvertrauen; denn die „echte Turnkunst“ stehe „im engsten Zusammenhang … mit vaterländischem Geist und Kraft“. Auch das verloren gegangene Gleichgewicht zwischen Seele und Leib wollen sie wieder herstellen. Ihr Wahlspruch lautet: „Frisch, frei, fröhlich und fromm“.

 

Mit der Gründung beteiligt ist der Präzeptor von Leonberg, Friedrich Wilhelm Klumpp, den man später den „schwäbischen Turnvater“ nennen wird. Ist allein schon dies bemerkenswert, so erst recht die Gründung eines Vereins, mit selbst auferlegten Gesetzen, Kasse und Vorstand. Erwartet hätte man dies eher in einer Universitätsstadt. Die Hauptstadt Stuttgart wird erst ein Jahr später ihren Turnplatz haben. Die kleine Gruppe von Turnern stand damit an der Wiege der Turnerei in Württemberg.

Möglich wird das Rückerinnern erst seit dem Auffinden des „Turntagebuches“ durch Siegfried Greiner aus Hirsau im Jahr 1972, durch dessen Vermächtnis es in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt wird.

Die Stadt Calw, der Schwäbische Turnerbund (STB) und das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V. (IfSG) nehmen diese Vereinsgründung zum Anlass, um auf 200 Jahre Geschichte von Turnen und Sport zurückzublicken. Am 18. Mai 2016 findet im Kursaal Hirsau (Stadt Calw) die Sporthistorische Tagung "200 Jahre Turnen in Württemberg" statt.

 

 

 

Jürgen Dieckert (Oldenburg) wird 80

 

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Dieckert, Ehrenpräsident des Deutschen Turner-Bundes seit 2000 und Gründungsmitglied der Jahn-Gesellschaft, begeht am 10. Juni 2015 seinen 80. Geburtstag.

 

Der stets aufgeschlossene Junggebliebene war in seiner Jugend für den TK Hannover ein erfolgreicher Mehrkämpfer und wurde 1956 Deutscher Juniorenmeister im Deutschen Zwölfkampf. Nach dem Abitur in 1955 studierte er in Göttingen Germanistik und Leibeserziehung. Sein beruflicher Weg führte ihn zunächst an das Institut für Leibeserziehung der Universität Saarbrücken, wo er 1968 zum Dr. phil. Promovierte, danach auf den Lehrstuhl für Leibeserziehung der damaligen Pädagogischen Hochschule Oldenburg, 1974 folgte die Professur für Sportwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

 

Im Deutschen Turner-Bund (DTB) war er von 1962 bis 1966 als Bundesjugendwart Mitglied des Präsidiums. Von 1970 bis 1974 Mitglied im Präsidium des Deutschen Sport-Bundes (DSB), machte er sich als Mitbegründer der Trimm-dich-Bewegung verdient. Zeit seines Lebens ging es ihm um den Ausbau und die Differenzierung des Breiten- und Freizeitsports. Von 1980 bis 1983 untersuchte er in Brasilien als Gastprofessor einen Indianerstamm auf seine Spiel- und Bewegungskultur hin, was sich u. a. in mehreren Fernsehfilmen niederschlug.

 

Sein entscheidendes Wirken für das Turnen fällt in die Jahre zwischen 1990 und 2000, als er Präsident des DTB war (sein Vorgänger: Dr. Walter Wallmann, sein Nachfolger: Rainer Brechtken). Mehrere Jahre war er daneben Mitglied im Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees (NOK).

 

Jürgen Dieckert gehört mit Jürgen Leirich und Martin Bertling zu den drei Initiatoren, die 1992 für die Gründung des Jahn-Fördervereins sorgten, des Vorgängers der jetzigen Jahn-Gesellschaft. So kommt es, dass sein Freyburger Mitgliedsausweis die Nummer 1 trägt.

 

Auch nach 2000 war er noch gefragt: als Autor zahlreicher Beiträge über Jahn und die Turnbewegung sowie als Festredner, z. B. 2013 bei der Feier 200 Jahre Hasenheide. 1997 wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens ausgezeichnet. Zusammen mit seiner Frau Bärbel hat er seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in Oldenburg.

 

 

Hansgeorg Kling

 

200 Jahre Burschenschaft:

Turnen und Burschenschaft waren 1815 eng vernetzt

 

Am 12. Juni 1815 wurde in Jena die erste Burschenschaft gegründet (vielfach auch „Ur-Burschenschaft“ genannt). Das war deshalb ein sehr fortschrittlicher Akt, weil es bis dahin als Zusammenschluss der Studenten nur die „Landsmannschaften“ gab. Die Burschenschaft dagegen trat als entschieden politische Gruppierung auf: für Freiheit und Einheit. Genau dies waren auch die Ziele Friedrich Ludwig Jahns, der als geistiger Urheber der Burschenschaft gilt: Das in Jena vorliegende Statut stützte sich fast wörtlich auf seine Ausarbeitung.

 

Bei dieser „Vernetzung“ ist es nicht verwunderlich, dass Turnen und Burschenschaft nahezu identisch waren: „Ein turnender Student war Burschenschafter und umgekehrt. Nationale Einheit, Freiheit und sogar soziale Egalisierung waren eins“ (Lönnecker). Erster Höhepunkt der jungen Nationalbewegung war dann 1817 das Wartburgfest: Hier wurden neben Jahn auch Ernst Moritz Arndt und Friedrich Friesen als „Lehrer der deutschen Jugend“ geehrt. Die junge Nationalbewegung in Deutschland war verständlicher Weise auch ein Ergebnis des gewonnenen Freiheitskampfes von 1813, durch den das „Franzosenjoch“ abgeschüttelt worden war.

 

Jahns Anteil an diesem Erfolg als Hauptmann im königlich-preußischen Freikorps von Lützow schlug sich auch in etwas Symbolischem nieder, das uns heute viel wert ist: den Farben schwarz, rot und gold, die es seit 1815 gibt. Sie sollten dann das Hambacher Fest vom 27. Mai 1832 prägen: als Symbol der demokratischen Einheits- und Freiheitsbewegung. Auf diese Farben berief sich Theodor Heuß als Mitglied des Parlamentarischen Rates (1948/49), sodass es in Artikel 22 unseres Grundgesetzes heißt: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“

 

Hansgeorg Kling

 

 

Der erste „Jahn-Report“ 2015 ist da!

Jahn-Report Nr. 40

 

Mit einer wiederum kurzweilig zu lesenden Ausgabe wartet der zweimal im Jahr erscheinende „Jahn-Report“ auf. Die 44-seitige Broschüre dokumentiert zunächst einen Vorgang, der sich in Berlin abspielte: Die Umbenennung der dortigen „Turnvater-Jahn-Grundschule“ forderte sowohl die Jahn-Gesellschaft heraus wie auch den Deutschen Turner-Bund (DTB). Es galt, klipp und klar in Worte zu fassen, warum wir uns auf Jahn berufen und warum die Turnbewegung auf ihm fußt. Das wird auf fünf Seiten dargestellt.

Die Hauptbeiträge beschäftigen sich mit der Bedeutung des Wiener Kongresses (der tagte vor 200 Jahren), mit der Weltgymnaestrada („Das Phänomen Gemeinschaftserlebnis im Wandel der Zeit“), mit der Entwicklung des Turnens in Brasilien, mit der Vereinskultur im DTB (am Beispiel des Jubiläums-Festschriften-Wettbewerbs) und mit der Gründung der Burschenschaft im Juni 1815 (Jahns Weichenstellungen im Vorfeld, der enge Zusammenhang zwischen Turnen und Burschenschaft).

Mehrere Kurzberichte, darunter der über die Neuerungen im Jahn-Museum in Freyburg/Unstrut, eine Buchbesprechung (von Horst Bosetzky erschien eine Jahn-Roman) und die traditionellen „Notizen“ runden das Heft ab.

Informationen: E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel. 034464/27426

 

Hansgeorg Kling

 

Aus gegebenem Anlass: Warum wir uns entschieden zu Jahn bekennen

 

Der Vorgang ist befremdlich: Mitten im Zeitalter des besten Informationsmöglichkeiten und des genauen Hinsehens auf alles, was im öffentlichen Raum geschieht, will eine Grundschule in Berlin-Pankow nicht mehr nach Jahn benannt sein. Sie legt den Namen „Turnvater-Jahn-Grundschule“ ab, „weil sie sich nicht auf Dauer ausschließlich mit einem sportlichen Profil aufstellen möchte und weil die Persönlichkeit Friedrich Ludwig Jahns als zwiespältig und für Grundschulkinder schwer vermittelbar wahrgenommen wird“ (aus der Vorlage des Bezirksamts Pankow für die Bezirksverordnetenversammlung vom November 2014).

Diese Umbenennung forderte nicht nur die Jahn-Gesellschaft heraus, sondern auch den großen DTB: Es war klipp und klar in Worte zu fassen, wofür Jahn auch heute noch steht, und sich zu ihm zu bekennen. Selbst der DOSB schaltete sich mit einem Grundsatzbeitrag in seiner „DOSB-Presse“ ein. In drei großen Berliner Zeitungen wurde berichtet, sie druckten auch zahlreiche Leserbriefe ab. Im „Jahn-Report“, der Mitte Mai erscheinen wird, kann man die fünfseitige Dokumentation finden.

Aufschlussreich ist der Vorgang auch vor dem Hintergrund einer anderen Umbenennungsaktion: In den Jahren 2009/10 gab es eine große Debatte um die Benennung der Universität Greifswald. Sie hieß bis dahin Ernst-Moritz-Arndt-Universität und heißt auch seit dem März 2010 weiter so. In der damaligen Diskussion wurde deutlich, dass man Arndt, dem wie Jahn Fremdenhass vorgeworfen wurde, nicht gerecht wird, wenn man aus den zahlreichen Facetten seines Werks einzelne Zitate herausgreift und seine schillernde Vielseitigkeit übersehen will. Auch DTB-Präsident Rainer Brechtken macht immer wieder deutlich, dass wir mit unserem historischen Erbe differenziert und verantwortungsvoll umgehen müssen.

 

Hansgeorg Kling