Pressedienst

Der Jahn-Pressedienst ist ein Service der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e.V. mit Sitz in Freyburg (Unstrut). Er stellt den Verbandsorganen der Landesturnverbände im Deutschen Turner-Bund und allen anderen interessierten Zeitungen und Zeitschriften Artikel zu Themen des Turnens und der Turngeschichte (unter besonderer Berücksichtigung von Beiträgen über Friedrich Ludwig Jahn) zum Nachdruck zur Verfügung. Der Nachdruck ist kostenfrei und genehmigungsfrei. Unter dem Artikel ist der Vermerk [Jahn-Pressedienst] aufzunehmen. Um ein Belegexemplar wird gebeten. Die vom Jahn-Pressedienst veröffentlichten Artikel werden unter Pressedienst auf der Homepage der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft zum Herunterladen archiviert und können auch zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden.

 

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F. L. Jahns Bemühungen um die deutsche Sprache

Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852), der Erfinder des vielseitigen Turnens, dem das Turnbrüderliche in seiner wirkungsmächtigsten Zeit bis 1819 so wichtig war und der später der „Turnvater“ genannt wurde, bemühte sich in vielfältiger Weise auch um Reichtum und Reinheit der deutschen Sprache.

Sein sprachschöpferisches Wirken wird am deutlichsten im Vorwort zur „Deutschen Turnkunst“ (1816). In ihm geht es ihm zwar auch um die Ursprünglichkeit und Vielgestalt der deutschen Sprache, vor allem aber entfaltet er hier seinen Erfindungsgeist. „Turn“ ist für ihn ein Urwort. Er zählt rund 60 Zusammensetzungen mit „turnen“ auf, die meisten von ihm selbst.

Seine Sprachreinigungsbestrebungen sind ein Hauptanliegen im „Deutschen Volkstum“, das 1810 erschien. Mit diesem 230-Seiten-Werk will er die „Einungskraft“ des Volkes vorantreiben: Angesichts der weitgehend weltbürgerlich geprägten Ideenwelt der Gebildeten in der deutschen Gesellschaft will er den Zusammenhang zwischen „Volk, Deutschheit und Vaterland“ bewusster machen. Sein Ziel ist die Reinheit der deutschen Sprache als Ausdruck lebendigen und echten Volkstums: „In seiner Muttersprache ehrt sich jedes Volk, in der Sprache Schatz ist die Urkunde seiner Bildungsgeschichte niedergelegt.“ Verständlicherweise ist mit solchen Bemühungen die Abneigung gegenüber allem Fremdländischen verbunden. Sie wird im Laufe der Jahre umso stärker, je länger die Besetzung Preußens durch die Franzosen dauert.

Weniger bekannt sind Jahns sprachwissenschaftliche Verdienste: Ganz anders als beim „Deutschen Volkstum“ war Jahn bei der Abfassung der frühen Schrift „Bereicherung des Hochdeutschen Sprachschatzes“ (1806) von wissenschaftlichem Ehrgeiz getrieben. Er wollte eine akademische Karriere starten und wollte sich mit dem 100-Seiten-Werk in die laufende Debatte um das Wesen der deutschen Allgemeinsprache einmischen. Seine Absicht: den deutschen Wortschatz zu erweitern und seinen Reichtum bewusster zu machen. Leider wurde er von den Zeitumständen überholt, denn im Oktober 1806 erlitt die Preußische Armee bei Jena und Auerstedt jene katastrophale Niederlage, und weder Jahn noch seine Schrift waren danach imstande, die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf sich zu ziehen. Jahns frühe Schrift geriet in Vergessenheit, ist noch heute wenig erwähnt und wurde nie gründlich erforscht.

Dieses Werk ist lexikografisch gestaltet: Den Kern bilden 58 Gruppen von Synonymen („Neue Sammlung von Sinnverwandtschaften“), die eingehend erläutert werden. Er will damit seinen Beitrag zu der überregionalen Standardsprache leisten, die durch die Ausgleichsvorgänge an den Hofkanzleien Karls IV. (1346-78) in Prag und der Wettiner in Meißen, durch die Erfindung des Buchdrucks und durch Luther entstanden war.

Bei der Wahl seiner Sinnverwandtschaften fällt das Hauptgewicht auf Begriffe, die mit der Landschaft und dem alltäglichen Leben zu tun haben (Ackerbau, Kleidung, häuslicher Alltag). Er ergänzte den Sprachschatz also um Wörter aus dem nicht-elitären, nichtstädtischen Leben. Als zwei Beispiele seien herausgegriffen: läuten – beiern – bimmeln; Knotenstock – Knüttel – Ziegenhainer – Prügel – Knüppel: Er definiert die verschiedenen Bedeutungen dieser Wörter im Vergleich zueinander und belegt das mit Beispielen, so wie es die Brüder Grimm Jahrzehnte später in ihrem Deutschen Wörterbuch tun.

Mit seiner frühen Schrift „Bereicherung des Hochdeutschen Sprachschatzes“ wollte Jahn noch nicht agitieren oder polarisieren wie mit dem „Deutschen Volkstum“, sondern verfolgte eher kulturpolitische Ziele. Wenn der Krieg von 1806 seine Pläne nicht gestört hätte, hätte er sich wohl im Oktober 1806 wieder nach Göttingen begeben, um dort zum Universitätsabschluss zu kommen und sich eine akademische Laufbahn als Professor der deutschen Sprache und Geschichte zu schaffen.

Hansgeorg Kling

Freyburger Sportdialog: Transformationen, Entwicklungen und Perspektiven im Kinderturnen und im Jugendsport

3. – 5. Oktober 2013, Freyburg an der Unstrut

Die Jahn Gesellschaft hat es sich nicht nur zum Ziel gesetzt, das Leben und Wirken Jahns zu erforschen, sondern auch seine Bedeutung für das Sporttreiben in der Gegenwart zu untersuchen. Sie fördert und betreibt deshalb Vorhaben und Projekte, die diese Ziele verfolgen. Anfang Oktober 2013 wendet sie sich in einem ersten „Freyburger Sportdialog“ dem Kinderturnen und dem Jugendsport zu, die beide in den letzten Jahrzehnten erheblichen Veränderungen ausgesetzt waren.

Die Tagungsthemen umfassen den außerunterrichtlichen Schulsport, insbesondere an Ganztagsschulen, das Turnen im Verein, Kindersportschulen, Verbands-Fördergruppen und das informelle, nicht an Vereine gebundene Sporttreiben (Trends im Freizeitbereich, Trendsportarten).

Adressaten sind: Interessierte aus der gesamten Bundesrepublik, insbesondere Übungsleiter/innen, Trainer/innen, Lehrkräfte aller Bildungsgänge, Verantwortliche der Fachverbände und der Landessportbünde, Vertreter/innen von Hochschulen sowie staatlichen und kommunalen Stellen (Ministerien, Schulaufsicht).

Hansgeorg Kling

Der ÖTB mit neuer Führung

Eine neue Führungsmannschaft wählte der 29. Bundesturntag des Österreichischen Turnerbundes (ÖTB) am zweiten November-Wochenende in Leonding/Linz. Nachfolger von Gerwin Braunbock (Turnverein Linz), der acht Jahre lang der Bundesobmann war, ist Karl Kolar (Turnverein Linz). Ihm zur Seite stehen als Stellvertreter Hermann Lang (Drösing/Niederösterreich), Peter Ritter (Grieskirchen) und Elke Nebenführ (Wien-Mariahilf).

Den DTB und seine Landesturnverbände vertrat Hansgeorg Kling, der Präsident der Jahn-Gesellschaft. Er beglückwünschte den ÖTB insbesondere zu dem sehr gelungenen Bundesturnfest im vergangenen Juli in Innsbruck, an dem 40 DTBVereine teilnahmen.

Christian Leirich

Jahn-Gesellschaft - Neuwahl des Präsidiums, 20 Jahre Jahngesellschaft, Mitgliederversammlung und weitere Veranstaltungen anlässlich des 90. Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfestes 2012

Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft am dritten August-Wochenende in Freyburg standen Neuwahlen: Das siebenköpfige Führungsteam mit Hansgeorg Kling (Kassel) als Präsident wurde für vier Jahre wiedergewählt. Für den verstorbenen Prof. Dr. Jürgen Leirich konnte Christian Schwarzer gewonnen werden. Vizepräsidenten sind jetzt: Dr. Josef Ulfkotte (Dorsten) und Martin Bertling (Freyburg), Schatzmeisterin: Monika Menzel (Naumburg), weitere Präsidiumsmitglieder: Prof. Dr. Ingo Peschel (Berlin), Oliver Snelinski (Berlin) und Christian Schwarzer (Quedlinburg). Geschäftsführerin bleibt Ilona Kohlberg (Freyburg), Webmaster ist Christian Leirich (Halle).
In einer kleinen Feierstunde wurde die zwanzigjährige Tätigkeit der jetzigen Jahn-Gesellschaft, die 1992 als „Förderverein zur Traditionspflege und Erhaltung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätten“ gegründet wurde, gewürdigt. Seitens des Deutschen Turner-Bundes (DTB) dankte dessen Vizepräsidentin Prof. Dr. Annette Hofmann (Stuttgart) für das erfolgreiche Wirken. So konnte in den letzten acht Jahren die Mitgliederzahl von 300 auf 425 gesteigert werden.
Eingebettet war die Mitgliederversammlung in ein ganzes Veranstaltungspaket: die feierliche Kranzniederlegung, eine Ausstellungseröffnung im Jahn-Museum und vor allem das traditionelle Jahn-Turnfest, zu dem der Landesturnverband Sachsen-Anhalt einlädt und das zum 90. Male stattfand.



Bild 1: Anlässlich des vom 17.-19. August 2012 stattfindenden 90. Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfestes in Freyburg (Unstrut) ehrte die Jahn-Gesellschaft mit einem Gedenkkranz den Urvater der Turnbewegung am Gedenkstein des Jahn-Museums.

Bild 2: Vor Eröffnung der Sonderaustellung von Dr. Müller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) fand im Gewölbe des Jahn-Museums die Präsidiumssitzung der Gesellschaft statt.

Bild 3: Präsident Hansgeorg Kling und Präsidiumsmitglied Dr. Josef Ulfkotte eruierten die Einsatzmöglichkeiten der Software Citavi zur künftigen online-Auffindbarkeit des Bibliotheks-Fundus des Jahn-Museums.

Bild 4: Gruppenfoto bei der feierlichen Kranzniederlegung zur Eröffnung des 90. Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfest an der Erinnerungsturnhalle.



Bild 5: Cambridge-Promovierende Hanna Weibye, zu Studienzwecken zu Gast bei der Jahn-Gesellschaft in Freyburg, und Dr. Josef Ulfkotte, Präsidiumsmitglied der Jahngesellschaft.

Bild 6: DTB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Annette Hofmann würdigte die sportgeschichtliche Bedeutung der Jahn-Gesellschaft in einer Gegenwart nachlassender Bedeutung universitärer Forschung und Lehre.

Bild 7: Ehrenmarsch zur Eröffnung des 90. Jahn-Turnfest in Freyburg.

Bild 8: Ehrenmitglied Prof. Dr. Harald Braun nahm das Amt des Wahlvorstehers zur Wahl des neuen Präsidiums wahr.



Bild 9: Hanna Weibye, Doktorandin an der Universität Cambridge in Großbritannien, grüßt die Mitglieder der Jahn-Gesellschaft.

Bild 10: Der neugewählte Vizepräsident und langjährige Bürgermeister der Stadt Freyburg Martin Bertling (links) und Präsidiumsmitglied sowie Vorsitzender der Deutschen Turnjugend Oliver Snelinski (rechts) berieten, wie das sichergeglaubte Projekt "Jahn-Gedenktafeln" trotz Absage der Stadt Freyburg dennoch erfolgreich umgesetzt werden kann. Hierbei wurde die Möglichkeit diskutiert, mit Hilfe des Spendenportals betterplace.org zum Ziel zu gelangen.

Bild 11: Schatzmeisterin Monika Menzel präsentierte den Rechenschaftsbericht, sichtlich betroffen nachdem sie die Botschaft erhielt, dass die Stadt Freyburg plant, sich aus der Förderung zurückzuziehen.

Bild 12: Museumsleiterin und Geschäftsführerin der Gesellschaft Ilona Kohlberg, die die zuversicht-stiftende Kunde verbreitete, dass die Jahn-Gesellschaft nun Mitglied im Freyburger Fremdenverkehrsverein e.V. ist.



Bild 13: Schlussendlich wurde auf der Präsidiumssitzung besprochen, wie das Museum sowie die weltweit erste Fitnessbewegung mehr ins heutige Bewusstsein gerückt werden kann, Idee hierzu: Hoffest mit Gruppenfitness und Weinverkostung in Zusammenarbeit mit dem benachbarten und befreundeten Weingut Lückel.

Bild 14: Das neu gewählte Präsidium mit (v. l.): Oliver Snelinski, Monika Menzel, Christian Schwarzer, Ilona Kohlberg, Hansgeorg Kling, Martin Bertling, Josef Ulfkotte, Ingo Peschel.

Christian Leirich

JRD Innsbruck

Erfolgreiches 12. Bundesturnfest des ÖTB in Innsbruck

Auf ein rundum gelungenes 12. Bundesturnfest in Innsbruck kann der Österreichische Turnerbund (ÖTB) zurückblicken. Rund 5000 Turnerinnen und Turner kamen für fünf Tage in der Hauptstadt Tirols zusammen, um die Vielfalt Jahnschen Turnens zu zeigen und um in der großen Gemeinschaft das Fest zu feiern. Auffallend dabei der Anteil der Gruppen- und Mannschaftskämpfe, die vielen Jugendlichen und die Tatsache, dass (anders als in den meisten Landesturnverbänden des DTB) Tracht getragen wird. Das bereicherte durch die Buntheit das ohnehin lebhafte Turnfestgeschehen.

Neben den Wettkämpfen (40 Vereine traten im Wimpelwettstreit der Erwachsenen an, 75 in den Mannschaftskämpfen der Jugend) gab es nach dem Festakt zur Eröffnung das Volkstanzfest, das Großkonzert der Spielmannszüge, ein Schauturnen und die Schlussfeier. Im Mittelpunkt der Kranzniederlegung am Jahn-Brunnen in der Jahnstraße standen das Wirken Jahns und seine Ausstrahlung auf das heutige Gemeinschaftsleben in den Vereinen. Die fünf österreichischen Akademischen Turnvereine (ATVen) vereinten sich am vorletzten Tag zum traditionellen Festkommers. Am Vereinswettturnen (drei Teile: Lied und Spruch, Festgymnastik, vielseitiges Turnen) nahmen 40 Vereine teil. Der Festzug am Schlusstag fiel dem Regen zum Opfer.

Gerwin Braunbock, der Bundesobmann des ÖTB, konnte beim Festakt zur Eröffnung auch die Grüße und Wünsche durch Rainer Brechtken (Stuttgart), den Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes (DTB), entgegen nehmen: Der lobte die Vielfalt des Turnens, das Gemeinschaftbildende und die Weichenstellung, die Jahn in den Jahren der Hasenheide für die Entwicklung des modernen Vereinswesens vornahm.

Viele Aktive aus den rund 40 bundesdeutschen Vereinen, die teilnahmen, lobten die Ausrichtung auf Gruppenwettkämpfe und waren erstaunt über die Beteiligung an Veranstaltungen, die es im DTB so nicht gibt: das Volkstanzen und den Redewettbewerb, zu dem rund 50 Aktive antraten.

Hansgeorg Kling