Pressedienst

Der Jahn-Pressedienst ist ein Service der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e.V. mit Sitz in Freyburg (Unstrut). Er stellt den Verbandsorganen der Landesturnverbände im Deutschen Turner-Bund und allen anderen interessierten Zeitungen und Zeitschriften Artikel zu Themen des Turnens und der Turngeschichte (unter besonderer Berücksichtigung von Beiträgen über Friedrich Ludwig Jahn) zum Nachdruck zur Verfügung. Der Nachdruck ist kostenfrei und genehmigungsfrei. Unter dem Artikel ist der Vermerk [Jahn-Pressedienst] aufzunehmen. Um ein Belegexemplar wird gebeten. Die vom Jahn-Pressedienst veröffentlichten Artikel werden unter Pressedienst auf der Homepage der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft zum Herunterladen archiviert und können auch zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden.

 

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JRD Innsbruck

Erfolgreiches 12. Bundesturnfest des ÖTB in Innsbruck

Auf ein rundum gelungenes 12. Bundesturnfest in Innsbruck kann der Österreichische Turnerbund (ÖTB) zurückblicken. Rund 5000 Turnerinnen und Turner kamen für fünf Tage in der Hauptstadt Tirols zusammen, um die Vielfalt Jahnschen Turnens zu zeigen und um in der großen Gemeinschaft das Fest zu feiern. Auffallend dabei der Anteil der Gruppen- und Mannschaftskämpfe, die vielen Jugendlichen und die Tatsache, dass (anders als in den meisten Landesturnverbänden des DTB) Tracht getragen wird. Das bereicherte durch die Buntheit das ohnehin lebhafte Turnfestgeschehen.

Neben den Wettkämpfen (40 Vereine traten im Wimpelwettstreit der Erwachsenen an, 75 in den Mannschaftskämpfen der Jugend) gab es nach dem Festakt zur Eröffnung das Volkstanzfest, das Großkonzert der Spielmannszüge, ein Schauturnen und die Schlussfeier. Im Mittelpunkt der Kranzniederlegung am Jahn-Brunnen in der Jahnstraße standen das Wirken Jahns und seine Ausstrahlung auf das heutige Gemeinschaftsleben in den Vereinen. Die fünf österreichischen Akademischen Turnvereine (ATVen) vereinten sich am vorletzten Tag zum traditionellen Festkommers. Am Vereinswettturnen (drei Teile: Lied und Spruch, Festgymnastik, vielseitiges Turnen) nahmen 40 Vereine teil. Der Festzug am Schlusstag fiel dem Regen zum Opfer.

Gerwin Braunbock, der Bundesobmann des ÖTB, konnte beim Festakt zur Eröffnung auch die Grüße und Wünsche durch Rainer Brechtken (Stuttgart), den Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes (DTB), entgegen nehmen: Der lobte die Vielfalt des Turnens, das Gemeinschaftbildende und die Weichenstellung, die Jahn in den Jahren der Hasenheide für die Entwicklung des modernen Vereinswesens vornahm.

Viele Aktive aus den rund 40 bundesdeutschen Vereinen, die teilnahmen, lobten die Ausrichtung auf Gruppenwettkämpfe und waren erstaunt über die Beteiligung an Veranstaltungen, die es im DTB so nicht gibt: das Volkstanzen und den Redewettbewerb, zu dem rund 50 Aktive antraten.

Hansgeorg Kling

Jürgen Leirich lebt nicht mehr

Prof. Dr. Jürgen Leirich lebt nicht mehr. Mit seinem plötzlichen Tod verliert die Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft ihren Vizepräsidenten. Der emeritierte Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg war höchst engagiert im Einsatz für unsere Gesellschaft, die das Leben und Wirken Jahns vertritt, erforscht und verbreitet.

Jürgen war der erste Vorsitzendedes 1992 gegründeten Jahn-Fördervereins (Förderverein zur Traditionspflege und Erhaltung der Friedrich–Ludwig–Jahn-Gedenkstätten), der der Vorgänger der jetzigen Jahn-Gesellschaft war, und seit 2004 unser Vizepräsident.

Der Weg des begeisterten Gerätturners, geboren 1938, führte vom 12jährigen Leistungsturner zum Turner der Meisterklasse in Halle und zum internationalen Kampfrichter. Nach dem Studium der Körpererziehung und Germanistik erwarb er sich als Sportwissenschaftler vor allem mit seinen Veröffentlichungen über die Theorie und Praxis des Gerätturnens sowie als Institutsleiter in Halle Anfang der 90er Jahre große Verdienste.

Noch bis zuletzt war er voller Tatendrang und entwickelte Zukunftspläne. Was er bei seiner Verabschiedung aus dem Hochschuldienst 2004 über seine wissenschaftlichen Ziele sagte, trifft bezeichnenderweise auch für die Jahn-Gesellschaft zu: „Die Anerkennung gelingt nur dann dauerhaft, wenn wissenschaftliche Profilierung, Kooperationsfähigkeit und Ausstrahlung in die Gesellschaft gegeben sind.“ So wirkte er. Wir alle haben ihm sehr viel zu verdanken.

Hansgeorg Kling

Ein kurzer Blick zurück: Das Jahr 2011 stand im Zeichen der 200-jährigen Turnbewegung

1811 – 2011: Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des Jubiläums 200 Jahre Turnbewegung. Erster Höhepunkt war die eindrucksvolle Feierstunde am 18. Juni am frisch hergerichteten Jahn-Denkmal in der Hasenheide. Hier würdigte der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), Rainer Brechtken, die Leistung Friedrich Ludwig Jahns, der im Juni 1811 an eben dieser Stelle, damals vor den Toren der Stadt Berlin, jetzt im Bezirk Neukölln gelegen, den ersten öffentlichen Turnplatz mit Leben erfüllte und damit die Geschichte der nunmehr 200-jährigen Turnbewegung anfangen ließ.

Auf die Jugend des damals 33-jährigen Jahn zugeschnitten war die Festansprache durch Jürgen Dieckert: Er hob das pädagogische Konzept des Turnplatzes hervor und betonte das „Prinzip Kür“ (die Selbsttätigkeit und Selbstorganisation der jungen Männer von 1811).

Den zweiten Höhepunkt bildete der Festakt, zu dem der DTB für den 20. November ins Alte Stadthaus in Berlin einlud. Mehr als 200 Gäste aus Politik, Turnen und Sport kamen. Die Grußworte konzentrierten sich auf die geschichtliche Bedeutung der Turnbewegung und ihre gesellschaftspolitische Rolle in Gegenwart und Zukunft. Schon der Deutsche Turntag in Frankfurt Anfang Februar hatte im Zeichen des Jubiläums gestanden. Hier hielt Bundestagspräsident Dr. Lammert einen 40-minüten Vortrag zum Thema des Jahres, der beeindruckte.

Abgerundet wurden die Veranstaltungen des Jahres 2011 durch die Ausrichtung einer großen internationalen sporthistorischen Tagung im August in Frankfurt. Der DTB veröffentlichte eine 150-seitige Broschüre „200 Jahre Turnbewegung – 200 Jahre soziale Verantwortung“. Der Bundesfinanzminister gab eine Sonderbriefmarke heraus, die den Turnplatz auf der Hasenheide in 1818 zeigt.

Die Jahn-Gesellschaft (Sitz: Freyburg/Unstrut) spannte mit zwei Ausgaben ihres „Jahn-Reports“ den Bogen von 1811 bis 2011. Ihre Mitglieder Hans-Joachim Bartmuß und Josef Ulfkotte widmeten ihre wissenschaftliche 290-Seiten-Veröffentlichung: „Nach dem Turnverbot – „Turnvater“ Jahn zwischen 1819 und 1852“ (Böhlau-Verlag) dem Jubiläumsjahr.

Auch die großen Medien öffneten sich für das Thema. So überschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 3. 12. 2011 ihren ganzseitigen Beitrag mit „Wie modern war das Turnvaterl von der Hasenheide?“ und sprach von einem „Modell, das bis heute Schule macht“. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) wählte die Überschrift: „Ehrenrettung für die Hasenheide – Der Turnplatz des ollen Friedrich Jahn ist besser und progressiver als sein Ruf“. Wenn das nicht erfreulich ist!

Hansgeorg Kling

Vorzügliche dvs-Tagung: Vom Turnen auf der Hasenheide zum Sport als Kulturgut

Weitgehend im Zeichen Jahns, seiner „Erfindung“ des Turnens und der Entwicklung der Turnbewegung über die 200 Jahre hinweg stand die diesjährige Tagung der Sektion Sportgeschichte der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) im Sportzentrum der Turngemeinde in Berlin (TiB) am Columbiadamm, fast in Sichtweise des alten Flughafens Tempelhof.

Rund 60 Interessierte waren vom 16. bis 18. Juni dort versammelt, um die 19 Vorträge zu hören, neue Erkenntnisse zu diskutieren und Forschungserfahrungen auszutau-schen. Zu den Referenten gehörte eine ganze Reihe derer, die sich auch in der DTB-Broschüre „200 Jahre Turnbewegung“ und in den diesjährigen Ausgaben des Jahn-Reports zum Thema des Jahres geäußert hatten, wie Jürgen Dieckert, Swantje Scharenberg, Gertrud Pfister, Dieter Jütting, Josef Ulfkotte, Hans-Jürgen Schulke und Annette Hofmann.

Eine dreistündige Exkursion durch die Hasenheide selbst rundete die von Michael Krüger und Gerd Steins vorbereitete Tagung ab, die als sehr gelungen eingestuft werden kann. Die Ergebnisse sind dokumentiert und werden Anfang 2012 in der Tagungsbroschüre vorliegen. (Jahn-Pressedienst)



Bild 1: Auditorium

Bilder 2 bis 4: Referenten der Jahn-Gesellschaft

Bild 2: Hansgeorg Kling (Präsident)

Bild 3: Dr. Josef Ulfkotte (Präsidiumsmitglied)

Bild 4: Prof. Dr. Jürgen Dieckert (Ehrenmitglied)

Hansgeorg Kling
Fotos: ThWil-dvs

Friedrich Ludwig Jahn und die deutsche Einheit

Am 3. Oktober 2010 fand in Freyburg (Unstrut) die zentrale Festveranstaltung des Burgenlandkreises „20 Jahre deutsche Einheit“ statt. Hansgeorg Kling hielt die Festrede in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Ehrenhalle.

Der Blick auf dieses Jahr 2010, in dem wir 20 Jahre deutsche Einheit begingen, macht noch einmal bewusst, wie viel Selbstverständliches inzwischen entstanden ist. 20 Jahre nach Mauer und Stacheldraht ist eine Normalität in unserem Zusammenleben eingetreten, die wir nicht geahnt hatten. Aber: Das Zusammenwachsen von Ost und West ist noch nicht abgeschlossen. Die Werte und Prägungen in den Köpfen der Menschen wirken weiter. Wir wissen noch immer nicht genug voneinander.

Unsere Erfahrung mit den 20 Jahren zeigt: Wenn wir Einheit, Freiheit und Demokratie im geeinten Deutschland bewahren wollen, kommt es auf jeden Einzelnen an. Um noch mehr Gemeinschaft entstehen zu lassen und um die Einheit weiterzuführen, müssen wir zu einer Art Zusammenkunft auf der Grundlage von Unterschieden finden. Die Gemeinsamkeit im großen DTB über Landesturnverbandsgrenzen hinweg ist dabei offenbar eine große Hilfe.

Angesichts des Ringens um Einheit und Freiheit liegt es durchaus nahe, danach zu fragen, wie es damit bei Jahn und zu seiner Zeit stand. Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) war in einer Weise politisch aktiv, die in seinen aktivsten Jahren (1806-1819) als revolutionär eingestuft werden muss: Die von Jahn ausgehende Turnbewegung war von Anfang an Teil der frühen Nationalbewegung und trug sie. Sie war wesentlich darauf ausgerichtet, die Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft, für die Rettung Preußens vor dem Untergang und auf die Einigung Deutschlands (unter preußischer Führung) vorzubereiten.

Wir wissen durch neuere Veröffentlichungen auch von Jahns strategischen Vorgehen: Er nutzte das Ausstrahlen des Turnens, sich eine gesamtdeutsche Öffentlichkeit zu schaffen, die er mit seinem politischen Wollen „offensiv“ konfrontierte. Als zupackend zeigte er sich nicht zuletzt dadurch, dass er maßgeblich für das gegen Napoleon gerichtete Zusammentrommeln des königlich-preußischen Freikorps Lützow sorgte, in dem er Hauptmann war. Und als vorzüglicher „Netzwerker“ war er erfolgreich dabei, die Farben Schwarz-Rot-Gold durchzusetzen.

Wir können also die damaligen Vorleistungen für unsere heutige Demokratie, für die heutige Ausprägung der deutschen Einheit und für gesellschaftlichen Fortschritt nicht hoch genug einschätzen. Über das Erreichte sollten wir uns freuen.

Hansgeorg Kling