Pressedienst

Der Jahn-Pressedienst ist ein Service der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e.V. mit Sitz in Freyburg (Unstrut). Er stellt den Verbandsorganen der Landesturnverbände im Deutschen Turner-Bund und allen anderen interessierten Zeitungen und Zeitschriften Artikel zu Themen des Turnens und der Turngeschichte (unter besonderer Berücksichtigung von Beiträgen über Friedrich Ludwig Jahn) zum Nachdruck zur Verfügung. Der Nachdruck ist kostenfrei und genehmigungsfrei. Unter dem Artikel ist der Vermerk [Jahn-Pressedienst] aufzunehmen. Um ein Belegexemplar wird gebeten. Die vom Jahn-Pressedienst veröffentlichten Artikel werden unter Pressedienst auf der Homepage der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft zum Herunterladen archiviert und können auch zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden.

 

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Besprechung

Schulke, Hans-Jürgen: Bruder Jahn - Ein Essay zur Brüderlichkeit in Deutschland. Jahn-Report Sonderausgabe, August 2008.

In einer geistreichen und interessanten 40-seitigen und reich bebilderten Abhandlung zu Bruder Jahn entwirft Schulke eine neue Sichtweise des seit nunmehr 200 Jahren von seinen Gegnern verdammten und seinen Anhängern hoch verehrten Gründers des Turnens.

In vier Kapiteln
1. Vater oder Bruder - Was war Jahn?
2. Brüderlichkeit. Deutsche Defizite und Distanzen
3. Die Verbrüderungspraxen des Friedrich Ludwig Jahn
4. Bruder Jahn: Phantast, Pädagoge, Politiker
mit Vor- und Nachwort versucht Schulke, das politische Konzept und Wirken und deren Nachhaltigkeit des Pädagogen, Sprachforschers und Mitgestalters der ersten deutschen Verfassung aus den konträren Überlieferungen herauszufiltern. Vom Negativ-Urteil eines Zeitgenossen Jahns bis hin zum erstmaligen ideologiefreien wie selbst-verständlichen Gebrauch der Nationalfarben während des Sommermärchens 2006 reicht die Spannweite. Geschickt deutet er die Ambivalenz der Beurteilung Jahns durch Zeitzeugen an und geht davon aus, “dass eine weitere theoretische und ideologiekritische Zuordnung Jahns wenig Ertrag verspricht, weil kein umfassendes und zugleich in sich schlüssiges System des Turnens von Jahn begründet wurde, das in staatsrechtliche, nationalökonomische, sozialphilosophische oder politische Theorien eingeordnet werden könnte.”

Schulke wendet sich vom Bild des Turnvaters (Turnopas) ab, hin zum Bruder Jahn, um diesem einen neuen Zugang zu verschaffen, und fragt nach “der politisch-kulturellen Substanz seiner Brüderlichkeit”, die weder in der älteren noch in der neueren Jahnforschung untersucht worden ist. Mit provozierender Polarisierung versucht er eine Diskussion zu entfachen, damit Jahn 2011 bei der 200. Wiederkehr der Eröffnung des ersten öffentlichen Turnplatzes in der Berliner Hasenheide endlich in einem gerechteren Bild erscheinen kann, und dies sowohl bei seinen Gegnern (vgl. Bildungskritiker B. Bueb: Lehrer brauchen Führung, in: Spiegel, Nr. 27, 08. 09. 2008, S. 142 - 146) als auch Befürwortern.

Um dieses Ziel zu erreichen, untersucht Schulke nicht nur die Person Jahn, seine Ideen und Ziele (dabei auch die praktische Umsetzung der Parole “Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit” der Französischen Revolution, wobei die letzte Kategorie in allen Epochen der deutschen Geschichte vernachlässigt wurde), sondern auch Jahns Initiativen, diese vom Turnplatz aus auf das ganze deutsche Volk zu übertragen. Da kein anderer gesellschaftlicher Bereich so offene und dynamische Assoziationen wie gemeinsam betriebene Leibesübungen kennt, sei es “vielversprechend, nach Entstehung und Dynamik der Brüderlichkeit bei Turn- und Sportvereinen zu forschen“, ausgehend bei “Bruder Jahn”.

In Zeiten ständischer Hierarchien, in denen die Menschen in Klassen eingeteilt und Kinder ihre Eltern siezten, lebte Jahn auf seinem Turnplatz die Einheit und Freiheit durch Brüderlichkeit. Im emotionalen Zusammenwachsen Jugendlicher - distanziert oder gar losgelöst von Erwachsenen und der Obrigkeit - sah Jahn das prägende Sozialmuster. Das war revolutionär. Aber er hat sich nicht systematisch oder programmatisch darüber geäußert. Ebenso spärlich findet sich Brüderlichkeit später in Satzungen und Parteiprogrammen - ganz anders jedoch in Liedgut, Gedichten und Briefen: Da wird die brüderliche Nähe beschworen.

In Verbindung mit Jahns Ideen und seiner Wirkung versucht Schulke eine Interpretation des Triangel und sieht die Brüderlichkeit “als vermittelnde Instanz zwischen Freiheit und Gleichheit”, führt Beispiele der Schieflage auf, in der die Brüderlichkeit vernachlässigt bzw. überbetont wird.

Die “Karriere” der Brüderlichkeit aus sozialhistorischer und psychomotorischer Sicht auf das Verhalten des jungen Jahn übertragen, lässt dessen Handeln begreifbar werden. Ausgehend vom Negativbild von Jahn und seiner Ideen skizziert Schulke dessen Lebensweg über die praktische Auseinandersetzung hin zur Verbrüderung, die nicht mit Jahns Verhaftung im Juli 1819 endete, sondern nach 1840 ohne sein aktives Zutun wieder auflebte und heute auch die Schwestern mit einbezieht.

Eine doppelte Paradoxie in der Brüderlichkeit als politischer Kategorie wird spürbar, denn “Jahns Prozess der Verbrüderung benötigt Herausforderung, Gefahr, Gegnerschaft”, die auf Dauer und außerhalb des Turnplatzes nicht mit seinen Idealen, seinem humanistischen Menschenbild und seiner demokratischen Grundhaltung in Einklang zu bringen sind. Letztendlich können Prozess und Ergebnis der Verbrüderung nicht diktiert werden, da sonst Freiheit und Gleichheit, von deren Grundprinzipien Jahn nie abrückte, nicht mehr gegeben wären, konstatiert Schulke und legt damit eine Basis für kontroverse Diskussionen.

Wie selbstverständlich geht er gegen Ende seines Essays von einem wirkungsvollen Konzept der Verbrüderungstheorie und -praxis Jahns aus und erklärt dies plausibel anhand des persönlichen Werdeganges Jahns bis zu dessen 40. Lebensjahr - seiner breiten öffentlichen Anerkennung, aber auch Demütigung. Immerhin hat er als Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848/49 an seiner frühen politischen Zielsetzung, der Einheit Deutschlands in einer konstitutionellen Monarchie unter preußischer Führung, starr festgehalten und damit einer Parteienlandschaft Vorschub geleistet, die einer allgemeinen Verbrüderung entgegenstand.

Als der ewige Turnvater - das Bild des Turnopas hängt noch immer in vielen Turnhallen - kommt Jahn nicht an die (heutige) Jugend heran. Um dies zu erreichen, muss der Lebensweg des jungen Jahn “brüderlich begleitet und neu vermessen werden”; denn zu seiner aktiven Zeit (1811 - 1819) habe der junge Jahn, so der norwegische, an deutschen Universitäten lehrende Naturphilosoph Henrik Steffens (1773 - 1845), “bedeutenden Einfluss auf Knaben, Jünglinge und Familienväter gewinnen” können: “ein Einfluss, der schließlich zu einer Regeneration des Volkes geführt” habe. “Ein Mann, der eine solche Macht ausübte, war mir”, so gestand Steffens in seinen Lebenserinnerungen 1843, “schon als ein solcher, als ein mächtig geschichtlicher Naturgegenstand anziehend und wichtig”.

Was sollen wir aber heute noch mit Jahn? Unter dem Aspekt der Brüderlichkeit ge-sehen, gilt es, bei Jahn noch vieles zu entdecken. “Bewegungsaktivitäten und Vereine”, schlussfolgert Schulke, können neue Optionen liefern und brüderliche Bindungen in der heutigen individualisierten und unpersönlichen Welt fördern. Deshalb muss Jahns Traum von der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit in und durch Bewegung weiter Ziel der deutschen Turnbewegung” bleiben. Das Internationale Deutsche Turnfest in Frankfurt 2009 und anstehende Gedenkfeiern zu Jahn (200 Jahre Hasenheide 1811-2011) sollten so gestaltet werden, dass sie auch die Jugendlichen ansprechen und diese über das im Essay aktualisierte Bild des Bruder Jahn für dessen Ideen und Ziele öffnen und zu einer Renaissance Jahns führen.

Harald Braun

Besprechung

„Bruder Jahn“ – Ein Essay zur Brüderlichkeit in Deutschland von Hans-Jürgen Schulke

Die vierzigseitige Sonderausgabe des Jahn-Reports mit dem Titel „Bruder Jahn. Ein Essay zur Brüderlichkeit in Deutschland“, den Hans-Jürgen Schulke (Bremen/Hamburg), Vizepräsident des DTB, verfasste, legt die Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft genau zu dem Zeitpunkt vor, an dem sich der seitherige Jahn-Förderverein umbenannte und seine Zielsetzung erweiterte.

Sie soll dokumentieren, dass das weiter entwickelte Jahnsche Turnen heute etwas sehr Lebendiges ist und dass die Pflege des Jahnschen Erbes bei weitem nicht nur Aufarbeiten von Geschichtlichem bedeutet. Schulke arbeitet überzeugend heraus, dass Jahn bei seinem Verbreiten des Turnens und in seiner politischen Tätigkeit alle drei Ideale der Französischen Revolution verfolgte: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, also auch den immer wieder vernachlässigten letzten Aspekt. Er sieht die Brüderlichkeit geradezu als „vermittelnde Instanz zwischen Freiheit und Gleichheit“.

Hinzu kommt das Herausarbeiten der Zusammenhänge mit der Entstehung der Farben Schwarz-Rot-Gold, die zu Jahns Zeiten und durch Jahns politisches Wirken „groß“ wurden und die während des „Sommermärchens“ 2006 so ideologiefrei und selbstverständlich gezeigt wurden.

Schulkes spritziger und kurzweilig zu lesender, gut bebilderter Essay eröffnet damit die Hoffnung, dass 2009 beim Deutschen Turnfest in Frankfurt und 2011 bei der 200. Wiederkehr der Eröffnung des ersten öffentlichen Turnplatzes in der Berliner Hasenheide Jahn, der spätere „Turnvater“, angemessen und „gerecht“ gewürdigt wird. Gerade der Lebensweg des jungen Jahn (sein Wirken konzentrierte sich auf die Jahre 1811 bis 1819) müsse „neu vermessen“ werden, es gelte noch vieles an Jahn zu entdecken; ein Lebensbild, das brüderliche (und inzwischen selbstverständlich auch schwesterliche) Nähe anstrebt, gelte nicht zuletzt auch für die heutige Vereinssituation (Miteinander, Geborgenheit, „Heimat“).

Der Essay erschien als Sonderausgabe des „Jahn-Report“, herausgegeben von der Friedrich-Ludwig-Jahn Gesellschaft, Freyburg/Unstrut, August 2008 (dort kostenlos zu beziehen: Tel. 034464/27426 oder Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Hansgeorg Kling

Zu den XXIX. Olympischen Sommerspielen in Peking: Die Olympischen Spiele vor dem Hallischen Thore (1811)

Haben die Olympischen Spiele der Neuzeit etwa nicht 1896 in Athen begonnen, wie wir bis jetzt immer angenommen haben, sondern haben sie womöglich ihre Wurzeln auf der Hasenheide in Berlin? Im Morgenblatt für gebildete Stände, Nr. 192, das am 12. August 1811 in Jena erschien, lesen wir nämlich den folgenden Korrespondentenbericht:

Berlin, 18. Juli. Wir haben jetzt ein verkleinertes Bild von den Olympischen Spielen vor dem Hallischen Thore. Durch die Thätigkeit und das umsichtsvolle Bestreben des Dr. Jahn, Verfasser des bekannten Werks: Volksthum, haben sich die jungen Leute von einem hiesigen Gymnasium vereint, auf einem freyen Platz ein Gehege gezogen, und die nöthigen Anstalten getroffen, sich im Ringen, Springen, Laufen, Klettern und allen Bewegungen, welche dem Körper Gleichgewicht und Gewandheit geben, zu üben. Dies geschieht in den Freystunden unter der Aufsicht der Lehrer in einem dazu gewählten einfachen und bequemen Anzug, oft vor einer bedeutenden Zahl von Zuschauern.

Unser Korrespondent hatte, das wissen wir heute, natürlich nur ein sehr ungenaues Bild von den Olympischen Spielen der griechischen Antike und noch weniger ahnte er, was mit der Wiederbelebung der Olympischen Spiele 1896 auf uns zukommen würde. Die alten Spiele waren, zumindest in ihrer Glanzzeit vom achten bis zum zweiten vorchristlichen Jahrhundert, ein religiöses Hochfest, das dem Göttervater Zeus selbst geweiht war. Danach verkamen sie zu einem Wettkampf für Berufsathleten, bis sie 394 n. Chr. auf Befehl des christlichen Kaisers Theodosius I. als heidnischer Kult ganz verboten wurden.

Die Ähnlichkeiten zwischen dem Geschehen im alten Olympia und dem auf der Hasenheide waren bestenfalls oberflächlich: An beiden Orten standen Leibesübungen zwar im Mittelpunkt des Geschehens, wenn auch mit gänzlich anderer Sinngebung. Der Agon, der Wettkampf, spielte auf der Hasenheide gar keine Rolle – er war für die nächsten einhundert Jahre bei den Turnern sogar streng verpönt – wie sehr, das mussten die ersten deutschen Olympioniken der Neuzeit 1896 bei ihrer Rückkehr aus Athen schmerzlich erfahren: sie wurden aus der Deutschen Turnerschaft ausgeschlossen, weil diese den Wettkampfgedanken damals strikt als „undeutsch“ ablehnte.

Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch das Geschehen auf der Hasenheide von einem „Hochgedanken“ getragen war, nämlich dem, dass

(die) Turnkunst … die verlorengegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wieder herstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Überverfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und ergreifen (soll).

Insofern hatte das Turnen auf der Hasenheide eine zutiefst humanistische Grundlage, die sich (auf dem Umweg über GutsMuths und die Philantropisten) auch auf griechische Vorbilder berief, aber die doch so gar nichts mit dem religiösen Gehalt der antiken Olympischen Spiele zu tun hatte.

Als Pierre de Coubertin 1894 zur Wiederbelebung der Olympischen Spiele aufrief, begeisterte er die Öffentlichkeit mit einem hehren Gedankengebäude: Die Jugend der Welt sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen statt sich auf den Schlachtfeldern zu bekämpfen, so wollte er zum Frieden und zur internationalen Verständigung beitragen und wollte helfen, nationale Egoismen zu überwinden. Zugelassen zu den Wettkämpfen sollten natürlich nur reine Amateure sein.

Dabei wollte de Coubertin sicher an den Glanzzeiten der alten Olympischen Spiele anknüpfen, aber ohne den religiösen Wesenskern der alten Spiele blieb nur ein sekularisierter Olympiaverschnitt mit einigen später hinzugefügten pseudoreligiösen Elementen, wie der Entzündung des Olympischen Feuers durch „Priesterinnen“ im Hain von Olympia übrig. Die beiden Weltkriege konnte diese blasse Idee nicht verhindern und statt der Überwindung nationaler Egoismen machte sich ein oft hässlicher Chauvinismus breit. Schon vier Jahrzehnte später waren die XI. Olympischen Sommerspiele in Berlin zu einem Propagandaforum der Nationalsozialisten verkommen. Von Anfang an wurden die Spiele der Neuzeit von dem Monster des Dopings begleitet. Der Amateurgedanke war schnell ausgehöhlt. Das IOC erwies sich als korrupt. Der Kommerz und die Politik überschatteten bald alles.

Nein, die Olympischen Spiele der Neuzeit haben zum Glück ihre Wurzeln nicht auf der Hasenheide in Berlin und wir täten gut daran, uns gerade jetzt, wenn die deutsche Riege um Fabian Hambüchen in Peking einen hoffentlich großen Auftritt hat, wieder auf die moralischen Grundlagen unserer Turnbewegung zu besinnen!

Karl Thielecke

„...für Volk und Vaterland kräftig zu würken...“

Die Turnerfeuerwehren – ein (fast) vergessenes Kapitel der Turngeschichte

„…für Volk und Vaterland kräftig zu würken…“ (1). Mit diesem Jahn-Zitat überschreibt Dieter Langewiesche seinen höchst lesenswerten Aufsatz über die politische und gesellschaftliche Rolle der Turner von den Anfängen bis zur Reichsgründung (2), in dem allerdings die Turnerfeuerwehren nicht vorkommen. Auch Horst Ueberhorst erwähnt in seinem äußerst informativen Überblick „Die Belebung des Gemeingeistes und des Bürgersinns – Von den historisch-politischen Dimensionen des Turnens“ (3) das Thema Turnerfeuerwehren nicht. Die beiden namhaften Historiker stehen damit nicht etwa allein da. Daniel Leupold stellt in seiner Dissertation (2003) fest, dass erstaunlicherweise die Geschichte des freiwilligen Feuerwehrwesens bis jetzt wissenschaftlich so gut wie gar nicht aufgearbeitet worden ist (4) – aus turnhistorischer Sicht besonders bedauerlich, denn die ersten freiwilligen Feuerwehren wurden fast ausnahmslos von oder unter Mitwirkung von Turnern gegründet.

Die Anfänge
Bis in die 1840er Jahre war das Löschwesen in Deutschland (mit Ausnahme von Köln, Trier und Saarlouis) vollkommen unzureichend organisiert. Regelmäßig zeigte sich, dass im Ernstfall die später so genannten “Pflichtfeuerwehren” versagten und die Löschmaßnahmen im Chaos zusammenbrachen. Das große Umdenken setzte 1842 mit dem verheerenden Stadtbrand von Hamburg ein, bei dem in vier Tagen und vier Nächten ein Drittel der Stadt verbrannte. 1700 Häuser wurden zerstört, 50 Menschen kamen in den Flammen um und 20.000 Hamburger verloren das Dach über dem Kopf. Es stellte sich die Erkenntnis ein, dass im Brandfall eine große Menge unwilliger, unausgebildeter, undisziplinierter und schlecht ausgerüsteter Männer unter einer inkompetenten Führung nie effektiv arbeiten würde. Deshalb trat in Hanau die junge Turngesellschaft 1843 mit dem Wunsch an den Magistrat heran, den Turnern eine Feuerspritze und weitere Gerätschaften zur Bedienung zu überlassen. Dem Wunsch wurde stattgegeben und so kam es am 1. Juli 1843 zur Gründung des ersten aus etwa 100 Turnern bestehenden freiwilligen Löschcorps unter der Leitung des von den Turnern gewählten Hauptmanns August Schärttner. (5)

Am 4. Februar 1845 fand unter dramatischen Umständen die Gründung einer weiteren Turnerfeuerwehr statt, als sich Mitglieder des Turnvereins Offenbach bei einem Brand einer Feuerspritze bemächtigten und damit so erfolgreich agierten, dass der Turnverein hinfort mit der Brandbekämpfung beauftragt wurde.

Die nächste – und vielleicht folgenreichste - Gründung einer freiwilligen Feuerwehr erfolgte ein Jahr später im badischen Durlach. Das „Pompier Corps“(6), das sich dort unter der Leitung des Stadtbaumeisters Christian Hengst gebildet hatte, zeichnete sich 1847 beim Brand des großherzoglichen Hoftheaters in Karlsruhe so glänzend aus, dass die deutschen Zeitungen tagelang darüber berichteten. Noch im selben Jahr entstanden in Südwestdeutschland, aber auch in Leipzig, "Pompier-Corps" nach Durlacher Vorbild, so z.B. in Rastatt, Tübingen, Heilbronn, Schwäbisch Gmünd und Schwäbisch Hall, Karlsruhe, Heidelberg (7), Ulm und anderswo – und die Gründungen hörten auch im nächsten Jahr nicht auf. Es ist zwar nicht klar, ob das Durlacher Pompier-Corps wirklich eine Turnerfeuerwehr war, sicher ist aber, dass bei ihrer Gründung erstmals Carl Metz mitwirkte, der in der Folge als „Geburtshelfer“ bei so vielen Feuerwehren tätig wurde, dass er eine besonders herausragende Rolle in der Feuerwehrgeschichte einnimmt.


Der Turnlehrer und „Ingenieur“ Carl Metz (1818 – 1877) hatte im Elsass das militärisch organisierte französische Feuerlöschwesen kennen gelernt und 1842 in Heidelberg eine Fabrik für den Bau von Feuerlöschgeräten gegründet. Sein geschäftlicher Erfolg beruhte darauf, dass er seinen Kunden nicht nur Feuerspritzen verkaufte, sondern dass er ihnen auch das „know-how“ für die erfolgreiche Organisation des Feuerlöschwesens nach französischem Vorbild mitlieferte. Ihm war nämlich klar, dass eine Anschaffung moderner Geräte nicht ausreichte. „Es handelt sich nicht allein um die Anschaffung von Löschgerätschaften, denn die Werkzeuge sind tot, aber die Nächstenliebe und der feste Wille, im Falle der Not helfen zu wollen, müssen lebendig sein. Keine Obrigkeit kann hierzu zwingen; es müssen sich freiwillige Vereine bilden, die aus tatkräftigen Männern bestehen, denen das Wohl ihrer Nebenmenschen so sehr am Herzen liegt als das eigene.“ Dabei dachte Metz wahrscheinlich an die Turner, denn 1848 verkündete er auf einem Flugblatt: „Löschwesen ist Turnwesen!“

 

Löschwesen ist Turnwesen und politisches Handeln
Feuerwehrchroniken reduzieren die Bedeutung der Turner bei der Gründung ihrer Wehr gern auf deren körperliche Fitness, die bei den damaligen Techniken der Brandbekämpfung natürlich von großer Bedeutung war. Das Zitat lässt erkennen, dass für Metz aber nicht die Fitness, sondern die turnerische Einstellung im Vordergrund stand – und damit erhält das Zitat eine politische Dimension, denn „das Jahnsche Turnen war von seinen Anfängen an politisch akzentuiert und motiviert, [und zwar] politisch im ursprünglichen Sinne als [Arbeit] für die Bürgergemeinde und den Staat“ (8). Aufgabe des Turners war es „für Volk und Vaterland kräftig zu würken“. Jahn und die Turner hatten die Nassauische Denkschrift des Freiherrn vom Stein (1807) verinnerlicht, der „die Belebung des Gemeingeistes und Bürgersinns" gefordert hatte, um den Staat auf eine neue soziale Grundlage zu stellen: die auf Freiheit und Gleichheit gegründete bürgerliche Gesellschaft. Und so war der Einsatz für das Feuerlöschwesen für die Turner eben politisches Handeln in einem uns fremd gewordenen Sinne, politisches Handeln als freiwilliger, selbst bestimmter Einsatz für die Bürgergemeinde.

Aber er war politisch auch in einem anderen, viel brisanteren Sinne. Für Volk und Vaterland zu wirken hatten die Turner von Anfang an (zumindest in Preußen) im Sinne einer allgemeinen Volksbewaffnung verstanden um die Befreiung des Vaterlandes vom Napoleonischen Joch aus eigener Kraft zuwege zu bringen, immer in der Hoffnung, danach auch an den politischen Entscheidungsprozessen teilhaben zu dürfen. Später, im Vormärz, träumten die Turner (vor allem die im Südwesten) von der Volksbewaffnung als einem Mittel, die Teilhabe der Bürger am Staat und die Freiheit und die Bürgerrechte notfalls mit Gewalt zu erreichen. Auf diese Turner musste das militärisch organisierte Pompierwesen eine starke Anziehungskraft ausüben und so ist es denn kein Zufall, dass die ersten Turnerfeuerwehren in Südwestdeutschland entstanden.

Auch die Obrigkeit sah das so. Als 1847 in Regensburg der Wunsch formuliert wurde, eine Feuerwehr zu gründen, lehnte der Magistrat das strikt ab. Auch in Karlsruhe betrachtete die Obrigkeit den Wunsch nach einer freiwilligen Feuerwehr mit äußerstem Misstrauen, konnte dann aber die Gründung einer „Feuerwehr“ (9) aus 202 Bürgern und 160 Turnern nicht verhindern. Selbst in Durlach musste sich der Stadtbaumeister und „Pompier-Capitain“ Hengst wegen der „Soldatenspielerei“ ständige Anfeindungen gefallen lassen.

Dass das Misstrauen der Behörden nicht ganz grundlos war, zeigte sich schon wenig später in den Revolutionsjahren 1848/49. Die Hanauer Turner, zum Beispiel, bewaffneten sich und nahmen unter der Leitung des radikal-demokratischen, republikanisch gesinnten August Schärttner 1849 als „Hanauer Turnerbataillon“ am Badischen Volksaufstand teil. Der Turner Carl Metz stand ebenfalls auf der Seite der Aufständischen. Er organisierte in der Reichsfestung Rastatt die Brandbekämpfung so effektiv, dass es den preußischen Truppen während der dreiwöchigen Belagerung nicht gelang, Rastatt in Brand zu schießen. Auch die Karlsruher Feuerwehr bewaffnete sich, aber (und hier zeigt sich die Trennlinie, die damals die Turnerschaft und die ganze Bevölkerung spaltete) sie bezog Position gegen die Aufständischen, wobei nicht überliefert ist, wie sich die 160 Karlsruher Feuerwehrturner verhielten.

Nach der Revolution schlug die Reaktion zunächst einmal voll zu. Von den ungefähr 300 Turnvereinen, die 1848 in Deutschland existiert hatten, wurden etwa 200 als politische Vereinigungen eingestuft und verboten. Und so wie den Turnvereinen ging es auch den Turnerfeuerwehren. So wurden zum Beispiel die Turnerfeuerwehren in München und in Nürnberg aufgelöst. Auch die Neugründung von Feuerwehren wurde unterbunden. Die schon erwähnten Regensburger, mussten noch bis 1858 warten, bis sie unter Beteiligung der Turner ihre Wehr einrichten durften. Ein Kuriosum ist die Entwicklung in Hanau. Hier sollte den als radikal bekannten Turnern schon 1848 auf Geheiß der kurfürstlichen Polizeidirektion die Feuerspritze entzogen werden. Das damalige Stadtoberhaupt widersetzte sich aber dieser Anordnung mit der Begründung, „daß die Löschanstalten durch die Beihilfe der Turner eine sehr ansehnliche Verbesserung erfahren hätten, daß die Turner stets die ersten am Platze wären und mit einer Gewandtheit und Umsicht arbeiteten, die noch bei jedem Brandunglück ausschlaggebend gewesen seien ...“ Die Hanauer Turnerfeuerwehr überstand so auch den Auszug des Schärttnerschen Turnerbataillons und bestand noch bis 1861, als sie in der Hanauer freiwilligen Feuerwehr aufging – deren 374 Mitglieder allesamt Turner waren! (10)

Neuer Anfang und alte Ziele
Mit Beginn der „Neuen Ära“ (1858) in Preußen, die zu einer Liberalisierung des politischen Lebens führte, erstarkte auch die Turnbewegung wieder. Zwar war in der Revolution von 1848/49 der Versuch gescheitert, einen freiheitlichen gesamtdeutschen Verfassungsstaat zu schaffen, aber der Wunsch nach nationaler Einheit, an den sich auch Freiheitserwartungen knüpften, bestand unvermindert fort. Das Bürgertum, dem auch die Turnbewegung zugerechnet werden muss, sah sich durch die wirtschaftliche Entwicklung gestärkt und leitete aus seiner wirtschaftlichen Kraft auch Erwartungen auf politische Teilhabe am Staat ab. Mit dem 1. Deutschen Turn- und Jugendfest (1860) in Coburg begann eine riesige Vereinsgründungswelle: Allein in den nächsten beiden Jahren entstanden über 1000 neue Turnvereine. Ab 2010 werden sich deshalb in Deutschland die 150-jährigen Vereinsjubiläen häufen und parallel dazu auch die 150-jährigen Feuerwehrjubiläen, denn die Turner wendeten sich jetzt wieder mit voller Kraft dem Löschwesen zu. Auch das 1. Deutsche Turn- und Jugendfest in Coburg war, was häufig übersehen wird, gleichzeitig ein Feuerwehrfest (11).

 

In Coburg betrat mit Theodor Georgii, dem Vorsitzenden des Schwäbischen Turnerbundes, ein Mann die nationale Bühne, der von Anfang an dem Feuerlöschwesen auf das engste verbunden war. Georgii (1826 – 1892) war in vieler Beziehung ein Mann der ersten Stunde. Als angehender Jurastudent bezog er 1843 die Universität Tübingen und schloss sich dort den Burschenschaftern an. 1845 war er dabei, als die Tübinger Turngemeinde gegründet wurde und 1847 gehörte er auch zu den Gründern des Tübinger Pompierkorps. Bei der Gründung des Schwäbischen Turnerbundes wirkte Georgii führend mit und 1852 rief er in seiner Vaterstadt die Esslinger Steigerkompagnie ins Leben, deren Hauptmann er wurde. Schon 1851 hatte auf sein Betreiben der allgemeine schwäbische Turntag in Stuttgart beschlossen: „Die allgemeine Beteiligung der Turngemeinden an den Feuerwehren wird als Grundsatz aufgestellt.“ (12) 1860 gehörte Georgii zu den Initiatoren des Coburger Turnfestes und 1868 wurde er als erster zum Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft gewählt. Wo immer es möglich war, nutzte er seine Stellung in der Turnbewegung, um für das Feuerlöschwesen zu werben. So wurde denn das 3. Deutsche Turnfest (1863) in Leipzig durch die wiederholten Demonstrationen der Leipziger Turnerfeuerwehr zu einer viel beachteten Werbeaktion für das Turnerfeuerwehrwesen – und so war es auf vielen Turnfesten, auch beim 4. Bayerischen Bundesturnfest 1874 in Regensburg, wo die Vorführungen der Feuerwehr zu den wichtigsten Programmpunkten der Festfolge gehörte.

Nach 1860 blieb das Turnerfeuerwehrwesen nicht mehr auf Süd- und Südwestdeutschland beschränkt. Jetzt erfasste die Gründungswelle auch Preußen, wo es vorher wegen der Turnsperre kaum zur Gründung von Turnerfeuerwehren gekommen war, und auch in Preußen ging die Initiative zur Gründung freiwilliger Feuerwehren zunächst meist von den Turnern aus und orientierte sich an den südwestdeutschen Vorbildern.

Die turnerischen Aktivitäten blieben weiterhin den alten Zielen verpflichtet. So wie die Burschenschaften in der Frühzeit, nahmen jetzt die deutschen Turnfeste symbolisch und demonstrativ die nationale Einheit vorweg. Auch die Turnerfeuerwehren blieben ein Vehikel zur Erreichung politischer Ziele. Es ging den Turnern immer noch darum, im Sinne Jahns (und des Freiherrn vom Stein) für Volk und Vaterland kräftig zu wirken und sich mit der eigenverantwortlichen Übernahme hoheitlicher Aufgaben auch demokratische Mitbestimmungsrechte zu sichern. Zudem waren die Turnerfeuerwehren Institutionen, in denen demokratische Verhaltensweisen galten und eingeübt wurden: Alle Ämter wurden durch demokratische Wahl vergeben, alle wichtigen Beschlüsse wurden von den Mitgliedern mit einfacher Mehrheit gefasst. Damit folgten die Turnerfeuerwehren einer Traditionslinie, die auf dem Turnplatz in der Hasenheide begonnen hatte, und trugen dazu bei, nicht nur der allmählichen Verlagerung von staatlichen Kompetenzen auf die Selbstverwaltungsebene den Weg zu bereiten, sondern auch die Bevölkerung auf die Mitwirkung im Staat vorzubereiten.

Die Turnerfeuerwehren nach der Reichsgründung
Mit der Reichsgründung änderte sich die Situation allmählich: Die nationale Einheit war erreicht (wenn auch ohne Zutun der Turner) und der Kampf gegen den deutschen Partikularismus damit zu Ende. Zwar blieben die Turner auch im Wilhelminischen Kaiserreich ihren unerfüllten liberalen Vorstellungen verpflichtet und hielten an den alten Reichsfarben schwarz-rotgold fest, aber auf der unteren Ebene hatte man doch einiges erreicht. Das freiwillige Feuerwehrwesen und damit auch die Turnerfeuerwehren waren jetzt selbst in Preußen allgemein anerkannt. Zwar musste man mit dem Löschdienst als hoheitlicher Aufgabe noch immer von den Behörden „beliehen“ werden, konnte dann aber eigenverantwortlich agieren. Und in die inneren Angelegenheiten der Feuerwehren mischten sich die Behörden nicht ein. Auch wenn das neue Reich nicht in der Tradition der Paulskirche stand, man arrangierte sich. Die zunehmende Militarisierung des Lebens stieß bei den militärisch organisierten Wehren sogar auf Zustimmung.


Die flächendeckende Sicherstellung eines effektiven Feuerlöschwesens wurde nach der Reichsgründung als eine wichtige Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge vorangetrieben. Dabei setzten die Behörden jetzt auf das erfolgreiche Modell der freiwilligen Feuerwehren. Neben freiwilligen Feuerwehren wurden auch weiterhin Turnerfeuerwehren gegründet, doch nun waren es oft nicht mehr die Turnvereine, die bei den Behörden um die Erlaubnis zur Gründung einer Feuerwehr nachsuchen mussten – jetzt waren es die Behörden selbst, die die Turnvereine zu Hilfe riefen, wie z.B. in der aufstrebenden Hafenstadt Geestemünde (heute Bremerhaven), wo 1889 der Turnverein von der Stadtverwaltung gebeten wurde, eine „freiwillige Turner-Feuerwehr“ zu bilden und den Brandschutz der Stadt, des Handels- und des Petroleumhafens zu übernehmen. So war es auch anderswo: Aufgrund einer Verfügung der Bezirksregierung Stade, zum Beispiel, wurden 1902 freiwillige Turner-Feuerwehren auch in Freschluneberg und Westerbeverstedt gegründet.

Turnerfeuerwehren waren die Vorreiter des bürgerschaftlichen Engagements
Die für uns Heutigen gar nicht mehr nachvollziehbare, für die damaligen Menschen aber offenbar nicht ungewöhnliche Beauftragung des Geestemünder Turnvereins mit der Sicherstellung des Brandschutzes für Stadt und Hafen zeigt, welches außerordentliche Vertrauen sich die Turnerfeuerwehren erworben hatten und welche Kompetenz den Turnvereinen auf diesem Gebiet zugeschrieben wurde. „Turner standen an den Wiegen von Freiwilligen Feuerwehren“, nennt Egid Fleck seinen Aufsatz, aber sie standen nicht nur an den Wiegen: Turnerfeuerwehren waren 100 Jahre lang ein wesentlicher und überall bekannter Teil des Brandschutzes. Umso erstaunlicher, dass über ihre Geschichte so wenig bekannt ist.

Diese Geschichte begann 1843 in Hanau, sie endete 1938, als im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltung die traditionsreichen Turnerfeuerwehren in die Feuerschutzpolizei eingegliedert wurden. Wie die Turnbewegung insgesamt, so ist auch das Turnerfeuerwehrwesen auf das Engste mit der deutschen Nationalgeschichte verwoben: Im Vormärz mit Misstrauen betrachtet, nach der Revolution von 1848/49 als politisch gefährlich verboten, später zunehmend als verlässliche Partner im Katastrophenschutz geschätzt, nehmen die Turnerfeuerwehren in der Geschichte des bürgerschaftlichen Engagements einen einzigartigen Vorreiterplatz ein. Unter dem turngeschichtlichen Blickwinkel wäre es deshalb äußerst wünschenswert, wenn dieses Kapitel der Turngeschichte wieder die gebührende Aufmerksamkeit erhielte und wenn unter diesem Aspekt die polische und gesellschaftliche Rolle der Turner eine neue Bewertung erführe.

 


Bild 1: Carl Metz (1818 – 1877), Turnlehrer und Ingenieur

Bild 2: Die Deutsche Turnzeitung zeigt einen Turner und einen Feuerwehrturner im Titel: Löschwesen ist Turnwesen und Turnwesen ist Löschwesen!

Bild 3: Theodor Georgii (1826 – 1892), Der erste Vorsitzende der DT

Bild 4: Helm eines sächsischen Turnerfeuerwehrmannes (mit Turnerkreuz und den Farben Schwarz-Rot-Gold!), Aus der Sammlung G. Sandvoss


Karl Thielecke


Anmerkungen

(1) Jahn/Eiselen, Die Deutsche Turnkunst , Vierter Abschnitt, II Die Turngesetze

(2) Dieter Langewiesche, in: Nation, Nationalismus und Nationalstaat in Deutschland und Europa, München 200, S. 103 - 131

(3) www.jahn.museum.de >> Bibliothek

(4) Daniel Leupold, Die freiwilligen Feuerwehren in der Rheinprovinz bis 1918 (Dissertation) Köln 2003

(5) Möglicherweise begann die Geschichte der Turnerfeuerwehren schon 1841 mit der Gründung eines „ Freiwilligen Lösch- und Rettungs-Corps“ in Meißen. Es ist aber nicht klar, ob es sich hier um eine Turnerfeuerwehr handelte.

(6) Vorbild der Durlacher Wehr waren die französischen „Sapeur-Pompier-Corps“, daher der Name.

(7) In Heidelberg wurde die Löschmannschaft von Burschenturnern gegründet.

(8) Horst Ueberhorst „Die Belebung des Gemeingeistes und des Bürgersinns – Von den historisch-politischen Dimensionen des Turnens“, www.jahn-museum.de >>Bibliothek

(9) Am 24. August 1847 wird in Karlsruhe erstmals der Begriff „Feuerwehr“ (in Anlehnung an „Bürgerwehr) benutzt.

(10) Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Hanau-Mitte/Geschichte

(11) Darauf weist Georgii hin.

(12) Egid Fleck, „Turner standen an den Wiegen von Freiwilligen Feuerwehren“, www.jahn-museum.de >> Bibliothek

Johann Christoph Friedrich GutsMuths wird 250 und ist jetzt online

In unserer geschichtslosen Zeit ist die Erinnerung an Johann Christoph Friedrich GutsMuths leider ein wenig verblasst. Dabei ist er doch einer der ganz Großen in der Weltgeschichte der Leibesübungen und der Leibeserziehung. Als Vorgänger und Wegbereiter des „Turnvaters“ Friedrich Ludwig Jahn ist er in gewisser Hinsicht sogar der „Großvater“ des Turnens.

Aber auch als Begründer der Schulgeographie und als einer der bedeutendsten Pädagogen des 19. Jahrhunderts hat er sich unauslöschliche Verdienste erworben.

Im kommenden Jahr begehen wir seinen 250. Geburtstag mit Feiern in seiner Geburtstadt Quedlinburg und an seiner Wirkungsstätte in Schnepfenthal. Auch beim Deutschen Turnfest in Frankfurt wird seiner in würdiger Form gedacht werden.