Dokument zur Turnhistorie übergeben

Das diesjährige Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfest in Freyburg begeht ein Jubiläum – das Neunzigste!

Seit einer Woche ist das Archiv des Jahnmuseums um ein weiteres Zeugnis dieses historischen Ereignisses reicher. Es ist ein Sonderdruck des Querfurter Tageblattes und der Querfurter Heimatblätter, der anlässlich des 20. Jahnturnens am 09. August 1925 erschienen war. Das Dokument stammt aus dem Besitz von Elli Schmidt, vormals bekannte Turnerin und Tochter des damaligen Freyburger Turnwarts Heinrich Rosemann. Die 92-jährige Elli Schmidt, die heute in Berlin lebt, sei noch „fit wie ein Turnschuh“ sagt Thomas Fritzsch, der in ihrem Auftrag das wertvolle Dokument als Dauerleihgabe an die Museumsleiterin, Ilona Kohlberg, übergab.

Herr Fritzsch wohnt im ehemaligen Haus der Rosemanns in der Mühlstrasse, an dem 2011 eine Erinnerungstafel an Heinrich Rosemann angebracht wurde. Diesen Anlass ließ sich Frau Schmidt nicht nehmen, um ihre alte Heimat zu besuchen. Dabei stand natürlich auch ein Besuch des Jahnmuseums auf ihrem Programm. Ihr Vater war schliesslich bis Ende 1935 als Herbergsvater in der Jugendherberge tätig, die sich damals im Wohnhaus Friedrich Ludwig Jahns befand. Als Oberturnwart sowie als Männer-, Frauen-, Knaben- und Mädchenturnwart hat er natürlich auch seinen Kindern das Turn-ABC beigebracht. Einige Fotos in der Erinnerungsturnhalle belegen das. Die Besucher können die historischen Aufnahmen bestaunen, die unter anderem zeigen, wie die vierjährige Elli auf einem Arm ihres Vaters einen grazilen Handstand macht. Bei der Übergabe des historischen Dokumentes waren auch anwesend Freyburgs stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Brix und Andreas Ebert, der in der Verwaltungsgemeinde Unstruttal für die Wirtschaftsförderung zuständig ist.

Katalog zur Ausstellung: Prächtige Erinnerungen - Turngeschichte in Grafiken

Die im Katalog gezeigten Grafiken, zusammengestellt von unserem Präsidiumsmitglied Ingo Peschel (Berlin), stammen aus der Zeit zwischen 1860 und 1914. Diese Periode spielt in der Geschichte der deutschen Turnbewegung eine besondere Rolle.

Mit dem ersten deutschen Turn- und Jugendfest 1860 in Coburg setzte eine Welle von Vereinsgründungen ein, allein rund 250 im gleichen Jahr. Als Dachorganisation wurde die „Deutsche Turnerschaft“ (D.T.) gebildet, die in 15 Kreise gegliedert war und auch Deutsch-Österreich umfasste. Anfang 1914 zählte sie in 11.500 Vereinen rund 1,5 Millionen Mitglieder. Zur Turnbewegung ist auch der 1893 entstandene Arbeiter-Turnerbund zu rechnen. In der betrachteten Zeit fanden 12 Deutsche Turnfeste statt, deren Teilnehmerzahl mit den Jahren ebenfalls anstieg und 1913 in Leipzig rund 65.000 erreichte.

Das Jahn-Museum in Freyburg besitzt eine große Zahl grafischer Zeugnisse aus dieser Epoche. Sie vermitteln einen Eindruck von der Tradition und dem Selbstverständnis der damaligen Turnbewegung, von ihren Festen und Aktivitäten, sind aber auch Beispiele für den Stil und die künstlerische Gestaltung in dieser Zeit. Im Zusammenhang mit den Jubiläen von Coburg (2010) und der Hasenheide (2011) bot es sich an, diesen Schatz einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Dies führte zu einer Sonderausstellung, die bereits anlässlich des 88. Jahn-Turnfestes 2010 gezeigt worden ist. Die positive Aufnahme der Ausstellung führte zu dem Entschluss der Jahn-Gesellschaft, einen Katalog herauszugeben. Er enthält zu jeder Grafik einen erläuternden Text, der auf Besonderheiten hinweist sowie den (turn-)geschichtlichen Zusammenhang und das betreffende Ereignis kurz beleuchtet.

Der Katalog ist im Jahn-Museum noch erhältlich.

Buchpublikation von Hans-Joachim Bartmuß und Josef Ulfkotte: Nach dem Turnverbot – „Turnvater“ Jahn zwischen 1819 und 1852

Die Zeitspanne zwischen Friedrich Ludwig Jahns Verhaftung im Jahre 1819 und seinem Tod im Jahre 1852 wird von der biografiegeschichtlichen Forschung bislang stiefmütterlich behandelt. Die vorliegende Untersuchung versucht zu klären, ob Jahn nach seiner Verbannung aus dem öffentlichen Leben, nach Haft und jahrelanger polizeilicher Überwachung, bis zu seiner Wahl zum Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848 tatsächlich im Abseits stand. Seine Rolle in der Männerturnvereinsbewegung der 1840er Jahre wird ebenso kritisch reflektiert wie seine Arbeit im Paulskirchenparlament. Die Darstellung, in der auch Zeitgenossen Jahns zu Wort kommen, wird mit einem Kapitel über den „Antisemiten“ und „Franzosenfresser“ Jahn eingeleitet. Hans-Joachim Bartmuß war Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte des Mittelalters an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Josef Ulfkotte ist Studiendirektor am Gymnasium Petrinum in Dorsten. Beide Autoren gehören dem Präsidium der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft an. Das Buch ist 2011 im Böhlau-Verlag erschienen.

Hier können Sie das Vorwort von Hansgeorg Kling als PDF-Datei herunterladen.