25 Jahre Vereinigung im DTB

Vor 25 Jahren, am 8. und 9. September 1990, nahm der Deutsche Turntag in Hannover die fünf neuen Landesturnverbände aus dem Osten Deutschlands in den Deutschen Turner-Bund auf. Damit war der DTB der erste unter den Sportverbänden, der die Einheit vollzog, noch vor der politischen Vereinigung am 3. Oktober 1990.

 

Nachdem die DDR-Volkskammer im Juli 1990 mit dem Ländereinführungsgesetz die Bildung von fünf Bundesländern beschlossen hatte, war die föderale Struktur auch für den Sport besiegelt. Im September 1990 gründeten sich nach und nach die Landessportbünde. Die Turner-Bünde waren darauf vorbereitet. Bereits am 5. Mai 1990 wurde in Bad Blankenburg der Thüringer Turnverband aus der Taufe gehoben und Anita Pester zur ersten Präsidentin gewählt. Es folgte am 9. Juni in Chemnitz der Sächsische Turnverband mit Dr. Harry Schwarz an der Spitze. Der Landesturnverband Sachsen-Anhalt wurde am 20. Juni 1990 gegründet, geführt vom viel zu früh verstorbenen Präsidenten Prof. Dr. Jürgen Leirich. Am 25. August fand in Güstrow die Gründung des Landesturnverbandes Mecklenburg-Vorpommern statt, erster Präsident war der inzwischen ebenfalls verstorbene Rudi Reichert. Nachzügler war der Märkische Turner-Bund Brandenburg, der am 8. Dezember in Frankfurt/Oder unter Präsident Ulrich Baumann ins Leben gerufen wurde.

 

Eine Besonderheit für den Einheitsprozess im Turner-Bund bestand darin, dass neben dem DTV der DDR weitere Verbände in der DDR Fachgebiete des Turnens vertraten: Der Deutsche Faustballverband, der Deutsche Wanderverband, der Deutsche Orientierungslaufverband und der Musik- und Spielleuteverband. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurden die Vertreter der Turn-Sportarten aus der DDR in das DTB-Präsidium kooptiert mit dem neu gewählten Präsidenten Prof. Dr. Jürgen Dieckert an der Spitze. Mit dem Deutschen Turntag 1992 in Bonn war der Vereinigungsprozess dann komplett vollendet.

 

Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft plant aus diesem Anlass am 8. Oktober 2015, um 16 Uhr, im Schützenhaus Freyburg (Unstrut) eine Veranstaltung zu Bilanz und Perspektiven des Sports „mitten in Deutschland“.

Sonderausstellung 2015

Ferdinand Goetz und Freyburg

Unter dem Titel "Ferdinand Goetz und Freyburg" eröffnet am Samstag, dem 22.08., um 18 Uhr unsere neue Sonderausstellung. Sie beleuchtet den Leipziger Arzt Dr. Ferdinand Goetz. Der von den Leipzigern liebevoll genannte "Töpfchendoktor von Lindenau" war weitaus mehr als nur Arzt. Ab 1860 bis zu seinem Tode war er der Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft, 1895 auch deren Vorstandsvorsitzender. Nach Jahn gilt er als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Turnbewegung in Deutschland. Er legte in Leipzig-Lindental das Archiv (später die Bibliothek) der Deutschen Turnerschaft an und war zusammen mit dem Unternehmer Karl Heine Gründer und Initiator zahlreicher Bürger- und sozialer Vereine. Auch in Freyburg ist sein Schaffen bis heute nicht zu übersehen. Auf Goetz Initiative entstanden hier die bis heute stadtbildprägende Erinnerungsturnhalle und die Ehrenhalle. Dafür Verlieh ihm die Stadt das Ehrenbürgerrecht. Anlässlich des 100. Todestages, welcher am 13.Oktober diesen Jahres auch in Leipzig feierlich begangen wird, widmet das Jahn-Museum dem "zweiten großen Kopf" der Turnbewegung eine Sonderausstellung.

200 Jahre Turnen in Württemberg

Hirsau, im Herbst 1816: In dem kleinen, kaum 350 Seelen zählenden schwäbischen Ort, geschieht etwas Außergewöhnliches: Fünf junge Männer finden zusammen, um zu turnen. Zum Vorbild dient ihnen das gerade im Frühjahr in Lübeck erschienene Werk des Gründers der deutschen Turnbewegung, Friedrich Ludwig Jahn, „Die deutsche Turnkunst“. Es ist ihnen „Ernst um das liebe deutsche Vaterland“, wie sie ihrem Turntagebuch anvertrauen; denn die „echte Turnkunst“ stehe „im engsten Zusammenhang … mit vaterländischem Geist und Kraft“. Auch das verloren gegangene Gleichgewicht zwischen Seele und Leib wollen sie wieder herstellen. Ihr Wahlspruch lautet: „Frisch, frei, fröhlich und fromm“.

 

Mit der Gründung beteiligt ist der Präzeptor von Leonberg, Friedrich Wilhelm Klumpp, den man später den „schwäbischen Turnvater“ nennen wird. Ist allein schon dies bemerkenswert, so erst recht die Gründung eines Vereins, mit selbst auferlegten Gesetzen, Kasse und Vorstand. Erwartet hätte man dies eher in einer Universitätsstadt. Die Hauptstadt Stuttgart wird erst ein Jahr später ihren Turnplatz haben. Die kleine Gruppe von Turnern stand damit an der Wiege der Turnerei in Württemberg.

 

Möglich wird das Rückerinnern erst seit dem Auffinden des „Turntagebuches“ durch Siegfried Greiner aus Hirsau im Jahr 1972, durch dessen Vermächtnis es in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt wird.

 

Die Stadt Calw, der Schwäbische Turnerbund (STB) und das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V. (IfSG) nehmen diese Vereinsgründung zum Anlass, um auf 200 Jahre Geschichte von Turnen und Sport zurückzublicken. Am 18. Mai 2016 findet im Kursaal Hirsau (Stadt Calw) die Sporthistorische Tagung "200 Jahre Turnen in Württemberg" statt.

 

 

 

 

Programm und Anmeldung können Sie in unserer Katregorie Pressedienst als PDF-Version herunterladen oder beim Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V. erhalten.

 

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