InterimsausstellungInterimsausstellung
Blick in die am 19. August 2026 eröffnete Interimsausstellung in der Jahn-Ehrenhalle.
Das Jahn-Museum im Umbruch
Das Jahn-Museum vorübergehend an anderen Ort.
Aufgrund der Generalsanierung des historischen Jahn-Wohnhauses bleibt das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum in Freyburg (Unstrut) bis voraussichtlich 2029 geschlossen. Damit die Geschichte Friedrich Ludwig Jahns und der Turnbewegung auch während dieser Zeit für Besucherinnen und Besucher erlebbar bleibt, präsentiert das Museum eine Interimsausstellung in der Jahn-Ehrenhalle in der Schützenstraße.
Mit der Ausstellung kehrt das Jahn-Museum zugleich an seinen historischen Ursprung zurück: Die Jahn-Ehrenhalle wurde 1903 als erstes Jahn-Museum errichtet und eingeweiht. Das historische Gebäude bietet damit einen besonderen Rahmen für die Übergangszeit.
Die Interimsausstellung verbindet Bekanntes mit Neuem. Ausgewählte Teile der bisherigen Dauerausstellung wurden übernommen und durch bislang nicht gezeigte Objekte aus der Museumssammlung sowie herausragende Neuerwerbungen der vergangenen Jahre ergänzt. Darüber hinaus widmet sich die Ausstellung der Geschichte der Jahn-Gedenkstätten und der Deutschen Turnfeste.
Die Interimsausstellung versteht sich dabei nicht als Ersatz für die zukünftige Dauerausstellung, sondern als eigenständiger Einblick in die Sammlung und Geschichte des Museums während der Sanierungsphase. Zugleich bietet die Übergangszeit die Möglichkeit, neue Objekte zu präsentieren, Perspektiven auszuprobieren und die Neukonzeption des Museums weiter voranzutreiben.
Nach Abschluss der Generalsanierung soll das Jahn-Museum mit einer neu konzipierten Dauerausstellung wiedereröffnet werden. Bis dahin lädt die Interimsausstellung dazu ein, Friedrich Ludwig Jahn, die Geschichte der Turnbewegung und die vielfältigen Spuren ihrer Wirkungsgeschichte neu oder wiederzuentdecken.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Jahn-Ehrenhalle!
Schützenstraße 17, 06632 Freyburg (Unstrut)
Geöffnet März bis November:
Mittwoch bis Samstag immer 13 - 17 Uhr
Dauerausstellung bis 2026Dauerausstellung bis 2026
Im Folgenden wird die alte Dauerausstellung im Jahn-Museum vorgestellt, wie sie von 1999 bis 2026 zu sehen war. Bis 2029 soll eine völlig neue Dauerausstellung umgesetzt werden, die neben dem Leben und Wirken auch die Rezeptionsgeschichte von 1852 bis in die Gegenwart in den Blick nimmt.
Das 1838/39 erbaute Haus beherbergt heute
das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum
#lebenundwirken
Die Dauerausstellung im Erdgeschoss des Wohnhauses vermittelt einen umfassenden Einblick in das Leben und Wirken des „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, der als eine durchaus umstrittene Figur der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts gilt. Alle politischen Systeme des späten 19. und 20. Jahrhunderts haben sich an dieser Figur gerieben und sich ihrer als Projektionsfläche bedient. Sie steht symbolisch für die „Biografie der Deutschen“ und wirkt mit ihrer außerordentlich differenzierten Rezeption bis ins Hier und Heute unserer Gesellschaft, polarisiert in Ablehnung und Verehrung. Aus seinem demokratischen Selbstverständnis heraus, wird im Museum auch ein demokratischer Umgang mit unterschiedlichen Meinungen gepflegt.
Im Rundgang können die Besucher in den vier Themenkomplexen „Schöpfer des deutschen Turnens“, „Persönliches Leben und Familie“, „Publizist und Patriot“ und „Reformer – Revolutionär? Deutschtümler – Deutscher?“ Jahn als Mensch in seiner Zeit und der in ihr vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse kennenlernen, auch mit seinen charakterlichen Eigenheiten und seinen zeitgebundenen Anschauungen und Äußerungen. Diese Betrachtung des "ganzen Jahn" mit all seinen Vorzügen, Leistungen und Zielen, aber auch mit all seinen menschlichen Schwächen, Misserfolgen, Enttäuschungen und Konflikten zieht sich durch alle Ausstellungskomplexe.
Bis 2029 soll eine völlig neue Dauerausstellung umgesetzt werden, die neben dem Leben und Wirken auch die Rezeptionsgeschichte von 1852 bis in die Gegenwart in den Blick nimmt.
Schöpfer des deutschen Turnens
Persönlichen Leben und Familie
Publizist und Patriot
Reformer – Revolutionär? Deutschtümler – Deutscher?
Im Jahr 1999 wurde das Haus saniert und die derzeitige ständigen Ausstellung „Friedrich Ludwig Jahn: Leben und Wirken" in den Räumen des Erdgeschosses eröffnet.
Friedrich Ludwig JahnFriedrich Ludwig Jahn:
Schöpfer des deutschen Turnens
Der erste Komplex ist Jahns Lebenswerk gewidmet: der Entwicklung einer modernen bürgerlichen Körpererziehung und ihrer Gestaltung als öffentliche Angelegenheit.
Besondere Bedeutung in der Darstellung des Turnens beansprucht Jahns Buch „Die deutsche Turnkunst", das er 1816 gemeinsam mit Eiselen veröffentlichte. Neben Ernst Bernhard Wilhelm Eiselen (1792-1846) war Karl Friedrich Friesen (1784-1814) der bedeutendste Mitstreiter Jahns bei der Entwicklung des Turnens.
Ein Blickfang von besonderer historischer Bedeutung ist der "Schwingel" (Turnpferd), den die Berliner Turner ihrem "Turnvater" zu Weihnachten 1812 schenkten.
Wohnstube in Jahns Zeit im Stil des Biedermeier
FamilieFriedrich Ludwig Jahn:
Persönliches Leben und Familie
Der zweite Komplex stellt Jahns privaten Lebensweg von seiner Kindheit bis zu seinem Tode dar. Unter anderem werden die lange Verlobungszeit mit seiner ersten Ehefrau, die sechsjährige Kerker- und Festungshaft und der darauf folgende Neuanfang im Freyburger Exil durch unterschiedliche Dokumente und Gegenstände aus dem persönlichen Besitz Jahns und seiner Familie illustriert.
Neben dem Vierfelderschachspiel, Notizbuch, Spazierstock sowie Tabakspfeife und -beutel des "Turnvaters" beeindruckt besonders das Ölgemälde des Malers Heine, für welches der Jahn persönlich Model gesessen haben soll.
Publizist und PatriotFriedrich Ludwig Jahn:
Publizist und Patriot
Gezeigt werden u. a. seine zwei Hauptwerke: „Deutsches Volksthum“ (1810) und „Die Deutsche Turnkunst“ (Jahn/Eiselen 1816), letzteres in einer selten gewordenen erweiterten Ausgabe von 1847. Mit dem „Volksthum“ nimmt Jahn einen würdigen Platz unter jenen fortschrittlichen deutschen Reformern zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, deren Werke als Nationalerziehungspläne bezeichnet werden.
Die hier ausgestellten handschriftlichen Texte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Fundus des Museums.
Das Manuskript zum Dreißigjährigen Krieg wie auch der Brief seiner Frau verdeutlichen mit ihren Brandschäden die tragischen Verluste auch an Büchern, Briefen und anderen Manuskripten, die Jahn bei dem Brand seiner Wohnung 1838 erlitten hatte.
Der im Arbeitszimmer stehende „Sorgensessel“ und der
Schreibsekretär gehören zu den erhalten gebliebenen Möbeln
aus dem persönlichen Besitz Jahns.
Friedrich Ludwig JahnReformer - Revolutionär?
Deutschtümler - Deutscher?
Der vierte Komplex stellt Höhepunkte des politischen Wirkens Friedrich Ludwig Jahns dar. Ein Jahn-Zitat und die Karte Mitteleuropas Ende des 18. Jahrhunderts verdeutlichen die in seiner Kindheit und Jugend gewonnenen Erfahrungen und politischen Verhältnisse als Ausgangspunkt für sein lebenslanges Streben nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat.
Mit seinem Nationalerziehungsplan, dem Buch „Deutsches Volksthum“, seiner Initiative zur Gründung des geheimen Deutschen Bundes, der Einrichtung des öffentlichen Turnplatzes auf der Hasenheide und der von hier ausgehenden Verbreitung des Turnwesens in Preußen und anderen deutschen Staaten sowie mit seinen Aktivitäten zur Gründung der Deutschen Ur-Burschenschaft übernahm Jahn vielfältige Aufgaben, die auf die Verwirklichung des Gedankens der Einheit Deutschlands gerichtet waren.
Das von den Burschenschaftern, die meist auch Turner waren, im Herbst 1817 veranstaltete Wartburgfest weckte das Misstrauen der Fürsten endgültig. Die Ermordung des russischen Staatsrats August von Kotzebue durch den Burschenturner Karl Sand war letzter Anlass für die „Demagogenverfolgungen“, die Verhaftung F. L. Jahns und die „Turnsperre“.
Das letzte Thema in diesem Komplex ist Jahns Wirken als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 gewidmet.


