Für eine Beibehaltung der Namensgebung „Jahn“

Im Zusammenhang mit der Umbenennungsdebatte des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Berlin hat der Deutsche Turner-Bund (DTB) ein Positionspapier verfasst, dem sich die Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft vorbehaltlos anschließt. Es hat folgenden Wortlaut:


Position des Deutschen Turner-Bundes


Der Deutsche Turner-Bund setzt sich für die Beibehaltung der Bezeichnung von Turn- und Sporthallen, öffentlichen Straßen, Plätzen und Gebäuden mit dem Namen Jahn ein, um damit dessen wesentliche Lebensleistung als Person der Zeitgeschichte zu würdigen und in Erinnerung zu halten.


1. Irritierende öffentliche Wahrnehmung von „Turnvater“ Jahn
Gelegentlich wird Friedrich Ludwig Jahn in der Öffentlichkeit im Zuge einer oberflächlichen Betrachtung als Reaktionär, Antisemit, Nationalist, Chauvinist bezeichnet, dessen Gedenken heute nicht mehr zeitgemäß sei und unseren freiheitlich-demokratischen Prinzipien nicht entspreche. Meist werden die Vorwürfe mit Zitaten aus seinen Veröffentlichungen belegt, häufig aus dem Kontext gerissen. Mit diesen „Argumenten“ werden dann Initiativen zur Umbenennung von Straßen, Plätzen und Gebäuden begründet, die nach Jahn benannt sind.

 

Dem ist entgegenzuhalten:
Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die der oben angeführten öffentlichen Wahrnehmung widersprechen, sie sind jedoch zu komplex für eine verkürzte Darstellung. Der DTB nimmt das Jahn-Bild, das teilweise in der Öffentlichkeit entsteht, durchaus kritisch auf und verweist zur kritisch-historischen Betrachtung auf den Auftrag der Jahn-Gesellschaft in Freyburg/Unstrut.

Dabei gilt der Grundsatz: Aussagen und Handlungen von Persönlichkeiten der Vergangenheit sind immer in ihrem historischen Kontext zu bewerten und können nicht einfach an heutigen Wertvorstellungen und Maßstäben gemessen werden. Dies gilt grundsätzlich für viele bedeutende Persönlichkeiten, so auch für Jahn, der in der Zeit von 1778-1852 lebte.
In diesem Zusammenhang ist es ebenso falsch, damalige Ausführungen von Jahn als Beleg für aktuelle moderne Entwicklungen in der Vereinslandschaft zu zitieren und Jahn als Visionär der heutigen Zeit zu stilisieren.


2. Keine „Heldenverehrung“ von Jahn
Die Biografie von Friedrich Ludwig Jahn und seine Veröffentlichungen lassen nachweislich den Schluss zu, dass seine Persönlichkeitsstruktur sehr ambivalent gewesen sein muss. Mit seinen Veröffentlichungen liefert er einen „Steinbruch“ an Ansichten, so dass sich für unterschiedliche Beurteilungen seiner Person immer auch Zitate als Beleg finden lassen. So lässt sich beispielsweise auch erklären, dass Jahn sowohl für die Ideologie des Nationalsozialismus herangezogen wurde und wie er gleichwohl in der sozialistischen Gesellschaft der DDR verherrlicht werden konnte.
Vor diesem Hintergrund gibt es für den Deutschen Turner-Bund keine Veranlassung für eine bedingungslose „Heldenverehrung“ von Friedrich Ludwig Jahn. Dies kommt auch in der Satzung des Deutschen Turner-Bundes zum Ausdruck. Hier heißt es in § 1.1 : Der DTB „pflegt das von Friedrich Ludwig Jahn begründete deutsche Turnen.“ Die DTB-Satzung stellt damit nicht Jahn als Person in den Mittelpunkt der Tradition des DTB, sondern hebt auf seine wesentliche Lebensleistung ab: den Grundstein für das Turnen als vielseitige körperliche Grundlagenschulung und Persönlichkeitsentwicklung im Sport.

 

3. Namensgebung Jahn als Würdigung einer Person der Zeitgeschichte
Der Deutsche Turner-Bund setzt sich für die Beibehaltung der Bezeichnung von Turn- und Sporthallen, öffentlichen Straßen, Plätzen und Gebäuden mit dem Namen Jahn ein, um damit dessen wesentliche Lebensleistung als Person der Zeitgeschichte zu würdigen und in Erinnerung zu halten.


Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) gilt als bedeutende Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Er hat im Jahr 1811 einen ersten Turnplatz in der Hasenheide, einem Volkspark in Berlin, eröffnet, um jungen Menschen freiwillig, selbstorganisiert, selbstfinanziert und ohne soziale Schranken körperliche Ertüchtigung zu ermöglichen.

Er gilt damit als Begründer der heutigen Vereinsbewegung im Sport, denn Jahn legte seinerzeit den Grundstein für die zentralen Elemente des bis heute bestehenden Vereinssystems im Sport: freiwillige Mitgliedschaft, Selbstorganisation, Solidarfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge, Zugang zum Sporttreiben für alle Bevölkerungsgruppen. Was 1811 vor dem Hintergrund der damaligen Verhältnisse als gesellschaftlich revolutionär galt, ist heute selbstverständlicher Bestandteil des bürgerschaftlichen Engagements in unseren Turn- und Sportvereinen.


Inzwischen sind in Deutschland über 90.000 Turn- und Sportvereine zu verzeichnen, die nach Gründung der Hamburger Turnerschaft von 1816 als ältesten Turnverein auf eine über 200jährige Geschichte der Vereinsentwicklung zurückblicken können. Diese Bewegung geht auf die Initiative von Jahn aus dem Jahr 1811 zurück.
Der Name Jahn sollte daher immer öffentlich erinnern an den Ursprung und die Anfänge des Vereinswesens im Turnen und Sport mit einer inzwischen über 200jährigen Geschichte. Dafür setzt sich der Deutsche Turner-Bund ein.


Prof. Dr. Annette R. Hofmann
Vizepräsidentin Gesellschaftspolitik
Deutscher Turner-Bund

Neue Führungsmannschaft

Mit einer neuen Führungsmannschaft geht die Jahn-Gesellschaft in die nächste fünfjährige Amtszeit. Das ist das wesentliche Ergebnis der gut besuchten diesjährigen Mitgliederversammlung in der Ehrenhalle in Freyburg/Unstrut.

Hansgeorg Kling kandidierte nach elf Jahren als Präsident nicht wieder und übergab den Staffelstab an Dr. Josef Ulfkotte, den bisherigen Vizepräsidenten. Beide freuen sich darüber, dass damit Kontinuität gesichert ist. Christian Schwarzer (Quedlinburg), Oliver Snelinski (Berlin) und Martin Bertling (Freyburg) zogen sich zurück und wurden durch neue Kräfte ersetzt.

 

Und so sieht das neue Präsidium aus: Präsident ist Dr. Josef Ulfkotte (Dorsten), neue Vizepräsidenten sind Dr. Gerlinde Rohr (Leipzig) und Ulrich Schulze Forsthövel (Frankfurt), Schatzmeisterin bleibt Monika Menzel (Naumburg), von den beiden weiteren Präsidiumsmitgliedern bleibt Prof. Dr. Ingo Peschel (Berlin), neu hinzu kommt Rayk Peiser (Naumburg).

 

Hansgeorg Kling wurde für seine Verdienste ebenso wie Martin Bertling von der Versammlung zum Ehrenmitglied gewählt.

25 Jahre Jahn-Gesellschaft

 

Feierstunde zum Jubiläum am 18. August 2017

 

Seit 25 Jahren gibt es die jetzige Jahn-Gesellschaft. Als „Förderverein zur Traditionspflege und Erhaltung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätten“ wurde sie am 21. August 1992 in Freyburg/Unstrut, wo hatte Jahn einen großen Teil seines Lebens verbracht hatte, gegründet.

 

In einer Feierstunde am Jahn-Grab im Ehrenhof des Museums wird das Bestehen am Freitag, 18. August, 17,30 Uhr, gewürdigt. Holger Stahlknecht (Magdeburg), Minister für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt, wird sprechen. Alfons Hörmann und Dr. Alfons Hölzl, die Präsidenten des DOSB und des DTB, haben ihr Erscheinen in Aussicht gestellt.