Deutscher Turntag in Frankfurt:

Dr. Alfons Hölzl löst Rainer Brechtken an der Spitze des DTB ab

 

Zweifellos ist dies ein Einschnitt: Beim Deutschen Turntag Anfang Oktober in Frankfurt zog sich Rainer Brechtken (71), Schorndorf, als Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) von seinem Amt zurück. Als sein Nachfolger wurde Dr. Alfons Hölzl (48) gewählt. Der Leiter einer Rechtsanwalts-Kanzlei in Regensburg ist seit 2007 Präsident des Bayerischen Landesturnverbandes und A-Trainer im Gerätturnen.

 

Rainer Brechtkens 16jähriges Wirken an der Spitze des DTB wurde sowohl von den Vertretern der Politik (Stadt Frankfurt, Land Hessen) als auch von DOSB-Präsident Alfons Hörmann gewürdigt. Eine sehr einfühlsame Darstellung seiner Tätigkeit, insbesondere für den Spitzensport im DTB, gab es von Kim Bui als der Sprecherin der Nationalmannschafts-Turnerinnen. Gerhard Mengesdorf (Baden) begründete als Sprecher der Landesturnverbände den Antrag, den Ausscheidenden zum Ehrenmitglied und Ehrenpräsidenten des DTB zu wählen. Dies erfolgte einstimmig.

 

Der scheidende DTB-Präsident konzentrierte sich in seiner Abschlussansprache auf die Weiterentwicklung des DTB, die in den 16 Jahren seiner Amtszeit zu verzeichnen war und die (im Gegensatz zur Mehrzahl der anderen Spitzenverbände in Deutschland) zu einem Anstieg der Mitgliederzahl auf mehr als fünf Millionen führte (in 20 000 Vereinen). Die Entwicklung des Dachmarken-Konzepts (Gymwelt – Turnen – Kinderturnen) habe sich in den letzten zehn Jahren als richtungweisend erwiesen. Er betonte auch, dass der DTB mit seinen 22 Landesturnverbänden die Aufgabe des „Dienstleisters“ für seine Vereine wahrnehme und dass es dabei besonders wichtig sei, die soziale Funktion der Vereine zu stützen, damit sie für die Menschen Bindung schaffen („Vereinskultur“).

 

Seine Zusammenarbeit mit der Jahn-Gesellschaft war gut. Wichtig auch: Er hob stets nicht nur den Spitzensport ins Blickfeld, sondern betonte bei seinen öffentlichen Äußerungen zum Turnen und zur historischen Dimension der Turnbewegung immer auch, dass die Entwicklung des modernen Turn- und Sportvereinswesens mit Jahn begann und dass das Turnen, so wie es vor 200 Jahren auf der Hasenheide praktiziert wurde, etwas geradezu Revolutionäres gewesen ist.

 

Auch der neue Präsident setzte in seiner Ansprache nach der Wahl auf die Dreiheit Spitzensport („Aushängeschild des DTB“) – Gymwelt – Kinderturnen. Ein Vorteil für Alfons Hölzls Start ist es, dass er mit dem Deutschen Turnfest 2017 in Berlin (3. bis 10. Juni) ein vorzügliches Forum haben wird, sich und den DTB einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch: dass er mit den 22 Landesturnverbänden auf der Ebene unterhalb des Dachverbandes eine Struktur vorfindet, die bewährt ist und auf die Verlass ist.

 

Hansgeorg Kling

 

Immer wieder lesenswert: Der „Jahn-Report“

Eine kurzweilig zu lesende Ergänzung des turnerischen Schrifttums, insbesondere der Landesturnzeitungen, ist der Jahn-Report. Die Jahn-Gesellschaft (Sitz: Freyburg/Unstrut) gibt ihn zweimal im Jahr heraus. Im Mitgliedsbeitrag (25 Euro pro Jahr) ist sein Bezug enthalten.

 

Am Beispiel der Dezember-Ausgabe des Jahn-Reports, die als neueste vorliegt, sei kurz erläutert, wie inhaltsreich er ist. Schwerpunkte der 60-seitigen Broschüre bilden zum einen das Jubiläum der Hamburger Turnerschaft von 1816 (des ältesten deutschen Turnvereins), das auf neun Seiten dokumentiert wird. Zum anderen geht es um die Anfänge des Turnens auf der Hasenheide. Ein unerschöpfliches Thema, aber immer wieder faszinierend. Denn das Turnen war in seinen Anfängen etwas Revolutionäres. Das rückt Jürgen Schmidt-Sinns ebenso ins Blickfeld wie die wirkungsvolle Hilfe, die Jahn, der spätere „Turnvater“, in den Anfangsjahren in J. J. W. Bornemann hatte: In mehreren Schriften erläuterte und verdeutlichte er, was schon damals die Vielseitigkeit des Turnens ausmachte. Der Autor macht deutlich, dass Jahns Konzept selbst mit heutigen Schulsport-Lehrplänen mithalten kann.

 

Zwei weitere Hauptbeiträge beschäftigen sich mit dem deutschen Turnen in Südbrasilien (von Lothar Wieser) und mit den Jahreszeitenfesten, hier der Wintersonnenwende (von unserem AH Hartmut Kautz-Uhu). Auch den beiden Großereignissen des neuen Jahres sind mehrere Seiten gewidmet: Der DTB und der ÖTB feiern ihre Bundesturnfeste, der eine in Berlin (3.-10. Juni), der andere in St. Pölten (11.-16. Juli). Sieben kurze Berichte, sieben Notizen und drei Buchbesprechungen runden das Heft ab. Etwas mehr als 25 Fotos und Abbildungen dienen der Verdeutlichung.

 

Die Jahn-Gesellschaft hat sich die Aufgabe gestellt, in Zusammenarbeit mit den Turnerbünden, mit Hochschulen und Sportorganisationen das Leben und Wirken des Initiators der Turnbewegung zu erforschen sowie die Entwicklung von Turnen, Spiel und Sport zu analysieren. Das Jahn-Museum in Freyburg/Unstrut, das einzige Jahn-Museum in der Welt, präsentiert Ausstellungen, die sich auf das Turnen und die Turnbewegung beziehen, und es fördert wissenschaftliche Vorhaben, die neue Perspektiven auf Turnen und Sport eröffnen.

 

Die Jahn-Gesellschaft hat rund 400 Mitglieder, darunter 280 Einzelmitglieder und 120 korporative (alle Landesturnverbände des DTB, viele Vereine und Turngaue, der DTB selbst).

 

Informationen: www.jahn-gesellschaft.de; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Tel. 034464/27426

Hansgeorg Kling

 

Präsident der Jahn-Gesellschaft feierte 80. Geburtstag

Am 18.05.2016 feierte der Präsident der Fr.-Ludwig-Jahn-Gesellschaft, Hansgeorg Kling, seinen 80. Geburtstag! Neben uns waren Kulturschaffende aus Oper, Theater und natürlich eine ganze Menge Turner als Gratulanten nach Kassel gereist. Ein besonderes Geschenk machte der DTB-Präsident Rainer Brechtken. Er übergab dem Jubilar die Orginal-Urkunde der Aufnahme Friedrich Ludwig Jahns in die "Deutsche Hall of Fame des Sports". Wir freuen uns, dass dieses Stück Sportgeschichte nun nach Freyburg kommt.